Kategorie Innovation & Technologie - 23. August 2018

Auftakt Alpbacher Technologiegespräche: Vom Patente Cocktail zum Silicon Austria

Zum Auftakt der Alpbacher Technologiegespräche: Patente Cocktail und Vorstellung der Initiativen zu Energiespeichern und Silicon Austria

Viele prominente Gäste beehrten den traditionellen Patente Cocktail im Vorfeld der Technologiegespräche und stellten sich der Challenge: Perpetuum Mobile versus Newton, Maxwell und Co.

Eine bunte Gästeschar, darunter Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien, Georg Kapsch und Christoph Neumayer von der Industriellenvereinigung, BMVIT-Generalsekretär Andreas Reichhardt, AIT-Geschäftsführer Anton Plimon, Siemens Digital Factory-Chef Kurt Hofstädter und viele Studierende, folgten der Einladung zum Patente Cocktail.

Perpetuum mobile oder nicht

Der Spaß war bei dem traditionellen Auftakt der Alpbacher Technologiegespräche garantiert. Der Höhepunkt heuer: Ein Quiz, bei dem die Gäste Perpetua mobilia von echten funktionierenden Erfindungen unterscheiden mussten – also Idee versus Schnapsidee. Eine nicht ganz triviale Aufgabe, wussten die Gastgeber Bundesminister Norbert Hofer und Patentamtspräsidentin Mariana Karepova schon zu Beginn.

 

Mariana Karepova: „Ein Patent auf ein Perpetuum Mobile ist der Alptraum für jedes Patentamt. Das darf es eigentlich gar nicht geben. Nicht nur, dass wir die Erfinder enttäuschen müssen: es gibt keine Patente auf Dinge, die nicht funktionieren, weil sie gegen die Physikgesetze verstoßen.

Es ist oft gar nicht so banal, ein vermeintliches Perpetuum Mobile auf den ersten Blick zu erkennen. Es gibt sogar einige Patente weltweit – da ist den Patentämtern etwas durch die Finger gerutscht. Uns ist es noch nie passiert. Aber wie sich bei unserem Quiz herausstellte, ist es manchmal gar keine so einfache Sache eine Idee von einer Schnapsidee zu unterscheiden.“

Der Patente Cocktail wird vom Österreichischen Patentamt und dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) als Auftakt der Alpbacher Technologiespräche veranstaltet.

Am Vorabend der Technologiegespräche in Alpbach stehen auch immer junge Talente im Mittelpunkt. Das BMVIT ermöglicht Studierenden aus Naturwissenschaft und Technik mit einem Talente@Alpbach-Ticket an den Alpbacher Technologiegesprächen teilzunehmen.

Silicon Austria

Im Zuge der Alpbacher Technologiegespräche hat Bundesminister Norbert Hofer auch die Ergebnisse monatelanger Verhandlungen zum Forschungsverbund Silicon Austria Labs präsentiert.

„Ich freue mich, dass wir dieses millionenschwere Projekt zwischen dem Bund, den Bundesländern Kärnten, Oberösterreich, Steiermark sowie dem FEEI – Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie heute besiegeln konnten“, sagte Hofer nach Unterzeichnung der Rahmenverträge durch die Kärntner Technologiereferentin LHStv. Gaby Schaunig, die steirische Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, dem oberösterreichischen LHStv. Michael Strugl und Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG.

Graz, Villach, Linz: die Standorte des Silicon Austria. © FEEI

Silicon Austria Labs soll zu einem Forschungszentrum von Weltformat werden. Ziel ist die Zusammenführung, der Ausbau und die Neueinrichtung von Forschungskapazitäten auf dem Gebiet der EBS (Electronic Based Systems) zur langfristigen Stärkung und Weiterentwicklung der österreichischen Mikroelektronikindustrie sowie der industriellen EBS-Anwender.

Vor dem Hintergrund der rasch fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung soll laut Hofer in der industriellen Produktion von Silicon Austria ein entscheidender Beitrag zur industriellen Standortsicherung in Österreich ausgehen.

Die Gründung des neuen Forschungszentrums Silicon Austria Labs, die sich physisch in Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten befinden, ist für die zweite Hälfte des Jahres geplant, der Vollbetrieb soll Anfang 2019 möglich sein. In den nächsten fünf Jahren werden von Seiten des BMVIT und den Bundesländern jeweils 70 Millionen Euro in das Projekt fließen, die österreichische Industrie hat sich zudem bereit erklärt, den Finanzierungsbeitrag der öffentlichen Hand zu verdoppeln. Somit kommt ein stolzes Gesamtfinanzierungvolumen von 280 Millionen Euro zusammen.

Forschung an Energiespeichern

Zudem wird das Infrastrukturministerium die Forschung an Energiespeichern forcieren. Das Thema sei von „großer Bedeutung, wenn wir die Energiewende in Österreich schaffen wollen“, ließ Infrastrukturminister Norbert Hofer am Donnerstag ebenfalls im Vorfeld der Alpbacher Technologiegespräche verlautbaren. Bei einem Treffen mit Industrievertretern habe man vereinbart, diesen Prozess zu beschleunigen.

Hofer verwies auf den hohen Anteil an erneuerbaren Energieträgern in Österreich. „Der Weg zur Dekarbonisierung kann aber nur dann gelingen, wenn die so erzeugte Energie auch gespeichert werden kann – das ist die große Herausforderung“, sagte der Minister und bezifferte den für die Energiewende notwendigen Speicherbedarf mit etwa fünf Terawattstunden.

Gemeinsam mit dem Klima- und Energiefonds hat das Ressort Empfehlungen für Innovationen und Umsetzungsschritte für Innovative Energiespeichersysteme in und aus Österreich erarbeitet. Schon heute sei Österreich dank Wasserkraft und Erdgasspeichern ein zentraler Energiespeicher Europas, eine Position, die das BMVIT ausbauen und stärken möchte – etwa durch Forschung und Entwicklung, die Schaffung von Forschungsinfrastruktur, den Bau von Pilotanlagen und die Unterstützung von Unternehmen bei der Markteinführung und von Start-ups.

© A3PS

Nach Angaben des Generalsekretärs im Infrastrukturministerium, Andreas Reichhardt, werden ab kommenden Jahr für Forschung an Energiespeichersysteme zwischen 40 und 50 Millionen Euro pro Jahr aus den verschiedensten Programmen aufgewendet. Dazu würden noch europäische Mittel kommen.

Komplementär zu einer europäischen Batterie-Initiative hat das Ministerium eine nationale Batterie-Initiative gestartet. In diesem Rahmen werden laut Reichhardt für Batterieforschung im engeren Sinn ab dem kommenden Jahr im Rahmen von Ausschreibungen zehn Millionen  Euro pro Jahr zur Verfügung gestellt, noch heuer soll es im Herbst eine Ausschreibung in Höhe von vier Millionen Euro dafür geben.

Service: Die Alpbacher Technologiegespräche finden heuer vom 23. bis 25. August im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach statt. Sie werden vom AIT Austrian Institute of Technology und dem ORF (Radio Österreich 1) organisiert und laufen bereits zum 35. Mal.

Internationale Expertinnen und Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren in Plenarveranstaltungen und Arbeitskreisen über das Thema „Diversität & Resilienz“ im aktuellen Kontext von Forschung und Innovation.

Das ganze Programm sowie einen ständigen Livestream gibt es hier: http://alpbach.org/

INFObox: Das Österreichische Patentamt ist als nachgeordnete Dienststelle des bmvit (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) die Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz in Österreich mit Sitz in Wien. Im Patentamt kümmern sich über 200 Expertinnen und Experten um die Absicherung von Erfindungen, Mustern (Designs) und Marken.