12. Mai 2020

Bausachverständige: Ursula W. Schrott ist FEMtech-Expertin des Monats

Ursula W. Schrott ist unsere FEMtech-Expertin des Monats Mai. Die gebürtige Oberösterreicherin bietet als selbstständige Unternehmerin Sachverständigenleistungen im Bauwesen und dort vor allem Gutachten im Business-to-Business Bereich für Firmen und Behörden.

„Ich erstelle Gutachten über das gesamte Bauwesen“, so Ursula W. Schrott, die in allen relevanten Branchen dieser Zunft – vom Ziviltechnikerbüro, über die Praxis in Klein- und Großprojekten auf Bauherrenseite und auch in der herstellenden Industrie – gearbeitet hat und auf diese reiche Erfahrung nun in ihrer Sachverständigenarbeit zurückgreifen kann. Dort erstellt sie sowohl Beweissicherungen und Befundaufnahmen als auch Gutachten für Firmen und Behörden. Ihr Fokus richtet sich auf Bauschäden und Baumängel. Primär handelt es sich dabei um Örtliche Bauaufsicht, um Planungen, Projektsteuerung, Grundstücksauswertungen oder Projektentwicklungen im Immobilienbereich.

„Eine technische Ausbildung ist eine hervorragende Investition in die Zukunft.“ © ifa AG

Schrott studierte Architektur an den Technischen Universitäten Wien und Sevilla. Heute würde sie nach eigenem Bekunden einen anderen Studienweg einschlagen, über ihre damalige Studienwahl sagt sie: „Nach der Schulzeit an der Handelsakademie hatte ich das Bedürfnis, etwas ganz Anderes als Wirtschaft zu studieren und meinen Horizont zu erweitern.“ Ein Werk über die Architektur der Renaissance und die darin ausgebreitete Idee des universellen Architekten habe sie nachhaltig fasziniert. „Ich war damals unendlich idealistisch unterwegs, heute würde ich eine derartige Entscheidung so nicht mehr treffen. Das Studium ist spannend und man bildet sich tatsächlich sehr umfassend, aber im Rückblick wäre mit dem jetzigen Berufsumfeld ein Studium des Bauingenieurwesens oder der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften ratsamer.“

Ursula W. Schrotts Berufsbild in einer Collage. © Schrott

Um den immens wichtigen Rechtsfragen beim Bauen angemessen begegnen und als Schnittstelle von Architektur, Technik und Recht agieren zu können, hat Schrott sich auch am Juridicum weiterbilden lassen. „Vor allem große Bauprojekte kommen ohne spezialisierte JuristInnen und RechtsanwältInnen als Unterstützung nicht mehr aus.“ Auch Schrott kam durch die berufliche Praxis damit immer mehr in Kontakt, was großes Interesse für juristische Fragestellungen weckte. „Das Erarbeiten von Lösungsstrategien in der Zusammenschau von technischen und juristischen Fragestellungen in komplizierten und komplexen Fällen liebe ich.“

Zur Situation der Frauen in ihrem Beruf stellt sie fest: „Es gibt sehr wenige Frauen in diesem Bereich, noch weniger selbständige. Von den wenigen höre ich aber nur Gutes, da diese im Allgemeinen sehr sorgfältig und genau arbeiten.“ Wichtig sei es laut Schrott daher ganz allgemein, dass Eltern und Lehrkräfte auch Mädchen frühzeitig vermitteln, dass eine technische Ausbildung eine hervorragende Investition in die Zukunft ist. „Technische Berufe werden nicht weniger, im Gegenteil, sie werden mehr und werden heute und in Zukunft besser bezahlt werden als die stereotypischen Frauenberufe.“

INFObox: FEMtech ist eine Initiative des Förderprogramms Talente des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), welches seit 2005 Auszeichnungen vornimmt, um die Leistungen von Frauen im Forschungs- und Technologiebereich besser sichtbar zu machen.

Neben ihrer Arbeit als Unternehmerin ist Schrott zudem stellvertretende Vorsitzende des interdisziplinären Ausschusses für Sachverständige der Kammer der Ziviltechnikerinnen für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. „Die ZiviltechnikerInnen sind von Gesetzes wegen Sachverständige, werden jedoch in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommen als die Gerichtssachverständigen. Unser Ziel ist es, die ZiviltechnikerInnen zum Beispiel bei Gerichten oder Verwaltungsbehörden, als Sachverständige mit hoher Expertise bekannter zu machen und auch kammerintern für die Mitglieder Weiterbildungen zu konzipieren“, so Schrott über diese ehrenamtliche Tätigkeit.

Ursula Schrott als Vortragende. Eines ihrer Anliegen ist es, ein Bewusstsein für die Leistungen der Sachverständigen-Tätigkeit dieser Berufsgruppen zu schaffen. © Bauherrenhilfe

In Österreich hat das Sachverständigenwesen und auch die Institution der ZiviltechnikerInnen eine lange Tradition. Die Wurzeln reichen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, wo sich zunächst im lombardisch-venezianischen Königreich die periti agrimensori für Vermessungswesen und Grundschätzungen, die architetti civili für den Hochbau sowie die ingegneri civili, die sich auch mit dem Wasserbau befassen durften, etablierten. Mit den Reformen der Staatsverwaltung im 19. Jahrhundert wurden ZiviltechnikerInnen auch in Österreich zur Entlastung der öffentlichen Verwaltung als Verwaltungshelfer herangezogen. Per Staatsministerialverordnung vom 11. Dezember 1860 wurden schließlich die rechtlichen Grundlagen für die damals als Privattechniker bezeichnete Berufsgruppe geschaffen.

Das FEMtech Interview mit Ursula W. Schrott finden Sie dieses Mal hier:

» Was steht auf Ihrer Visitenkarte?
Arch. Bmst. DI Ursula Schrott, Allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige

Frau Schrott, Sie sind als Bausachverständige tätig. Was macht Ihre Firma genau?
Es werden Beweissicherungen, Befundaufnahmen und Gutachten für Firmen und Behörden erstellt. Für Private arbeite ich nur im Ausnahmefall. Ich erstelle Gutachten über das gesamte Bauwesen, im Fokus stehen Bauschäden und Baumängel.«

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Wordrap mit Ursula W. Schrott

  • Womit ich als Kind am Liebsten gespielt habe:
    Lego, Matador, Puppen. Außerdem habe ich es schon im Kindergartenalter geliebt, in den Architekturbüchern und –zeitschriften meiner Eltern stundenlang zu schmökern. Tatsächlich habe ich mit 5 Jahren schon einen Entwurf für ein Einfamilienhaus mit Weinkeller gezeichnet. Nachdem ich in der Volksschule lesen gelernt hatte, fand ich Schundromane jedoch wesentlich unterhaltsamer.
  • Dieses Studium würde ich jetzt wählen:
    Business Innovation oder Unternehmensführung an der Universität St. Gallen.
  • Mein Vorbild ist:
    Während des Studiums hatte ich Vorbilder wie Eileen Gray oder Anna-Lülja Praun. Zaha Hadid ist leider viel zu früh gestorben. Eigentlich habe ich mittlerweile keine wirklichen Vorbilder mehr, ich treffe jedoch immer wieder Menschen persönlich, in denen ich einzelne Eigenschaften erblicke, die ich vorbildhaft finde, zB wenn sich jemand sprachlich gut ausdrücken kann oder besonders innovativ ist, Arbeitsplätze schafft etc. Am meisten inspirieren mich erfolgreiche UnternehmerInnenpersönlichkeiten.
  • Was ich gerne erfinden würde:
    Ein funktionierendes Perpetuum Mobile. Alternativ eine funktionierende Anti-Falten-Creme.
  • Wenn der Frauenanteil in der Technik 50 Prozent beträgt …
    … mache ich eine Flasche Champagner auf. Rosé Champagner. Ob ich einen 50%igen Frauenanteil in der Technik noch erleben werde, bezweifle ich. Vielleicht zukünftige Generationen.
  • Wenn der Frauenanteil in Führungspositionen 50 Prozent beträgt …
    … wird diese Welt eine bessere sein. Ich bin mir sicher, die Finanzkrise 2009 und die Virus-Pandemie 2020 wären leichter zu vermeiden bzw. zu steuern gewesen, würden viel mehr Frauen in Führungspositionen sitzen. Frauen denken im allgemeinen nachhaltiger und langfristiger, haben aber oft eine geringere Risikobereitschaft. Gemischte Führungsteams haben daher große Vorteile.
  • Was verbinden Sie mit Innovation:
    In erster Linie Spaß an der Erfindung und in zweiter Linie ein dadurch ausgelöstes Wirtschaftswachstum.
  • Warum ist Forschungsförderung in Österreich wichtig:
    Forschung befördert in weiterer Folge Gesellschaft und Wirtschaft, kann aber vordergründig meist nicht wirtschaftlich genug durchgeführt werden. Deshalb ist es wichtig, diese zu fördern.
  • Meine Leseempfehlung lautet:
    Biographien von erfolgreichen UnternehmerInnen, SportlerInnen und PolitikerInnen.

 


EU-Kommission drängt auf mehr Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen

Frauen in Europa sind gegenüber Männern nach wie vor benachteiligt – von geschlechtsbezogener Gewalt hin zu Unterschieden bei Beschäftigung, Bezahlung, Pflege und Renten. Die Kommission hat heute (Donnerstag) in ihrer Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter konkrete Schritte vorgestellt, um die Chancengleichheit für alle zu verwirklichen. „Die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern ist zwar ein wesentlicher Grundsatz der Europäischen Union, sie ist aber noch lange nicht verwirklicht. In der Wirtschaft, in der Politik und in der Gesellschaft als Ganzes können wir unser volles Potenzial nur entfalten, wenn wir unsere Kompetenzen und Vielfalt vollumfänglich zum Einsatz bringen“, so Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Konkrete Maßnahmen für die Gleichstellung 2020-2025

Die Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2020-2025 legt zentrale Maßnahmen für die nächsten fünf Jahre fest und verpflichtet sich, zu gewährleisten, dass die Kommission die Gleichstellungsperspektive in alle Politikbereiche der EU einbeziehen wird. Ferner wird dargelegt, wie die Kommission das Versprechen von Präsidentin von der Leyen einhalten will, in Europa Chancengleichheit für alle zu verwirklichen, die dieselben Ziele verfolgen.

Bisher hat kein EU-Mitgliedstaat die vollständige Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht. Es werden nur langsam Fortschritte erzielt, wobei die geschlechtsbedingten Unterschiede in den Bereichen Beschäftigung, Bezahlung, Pflege und Renten fortbestehen. Um diese Lücken zu schließen und Europa in die Lage zu versetzen, sein Potenzial in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft voll auszuschöpfen, enthält die Strategie eine Reihe zentraler Maßnahmen, darunter: Beendigung von geschlechtsbezogener Gewalt und Geschlechterstereotypen, Gewährleistung der gleichen Teilhabe und der gleichen Chancen am Arbeitsmarkt, einschließlich des gleichen Entgelts, und Verwirklichung einer ausgewogenen Vertretung von Frauen und Männern in Entscheidungspositionen und Politik.

Frauen in Forschung und Technologie: Mit der Initiative FEMtech fördert das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) Frauen in Forschung und Technologie. Das BMK unterstützt Frauen im Bereich Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, Chancengleichheit in der industriellen und außeruniversitären Forschung zu schaffen.