Kategorie Innovation & Technologie - Vor 5 Tagen

#Mission2030: Abschluss der Ländertour

Vor zwei Monaten riefen wir an dieser Stelle zum Aufbruch in die Mobilität der Zukunft. Mit einer Zukunftskonferenz am 8. März 2018 hat das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), den Bundesländern, den Kommunen und vielen weiteren Stakeholdern einen Prozess zur Erreichung der Klimaziele in der Mobilität gestartet. Die Konferenz zur Mobilitätswende Österreich 2030 ist als Initialzündung und Eckpfeiler auf dem Weg zu einer Mobilität der Zukunft gleichermaßen zu betrachten.

Sie war darüber hinaus aber auch der Auftakt zu einer Reihe an weiteren Veranstaltungen, die das weitere Vorgehen als gemeinsamen, transparenten und dialogorientierten Prozess hin zu einem Aktionsplan „Wettbewerbsfähige und saubere Mobilität 2030“ begleiten. Im April fanden bereits in den Bundesländern Kärnten (5. April), Tirol (10. April) und Vorarlberg (11. April) Workshops und Diskussionsrunden dazu statt. Weiter ging es in Salzburg (18. April) und Oberösterreich (19. April). Nun führte die Tour nach Wien (23. April), Niederösterreich (25. April) und die Steiermark (26. April). Mit dem Workshop im Burgenland am 8. Mai 2018 endete die Veranstaltungsreihe.

Die Bundesländertour dient auch dazu, den kürzlich präsentierten Entwurf einer integrierten Klima- und Energiestrategie der Bundesregierung unter dem Motto #mission2030 und damit zusammenhängende Prozesse vorzustellen sowie die spezifischen Herausforderungen in den Regionen und Städten zu thematisieren, um weitere Lösungsansätze gemeinsam zu finden. Darüber hinaus werde man die spezifischen Stärken der Bundesländer herausarbeiten, welche die Mobilitätswende unterstützen können.

Das Ziel 2030 als nächste festgelegte Etappe zur Dekarbonisierung – also hin zu einem kohlenstoffarmen oder gar -freien Wirtschafts- und Verkehrssystem – ist durch das Pariser Klimaabkommen und die Klimaziele der EU festgelegt: Für Österreich bedeutet es bis dahin eine CO2-Emissionsreduktion von minus 36 Prozent gegenüber 2005 (für Emissionsquellen außerhalb des Emissionshandels) zu erreichen – bisher wurden acht Prozent geschafft. Für den Hauptverursacher von CO2 – den Verkehrssektor – stellen die Senkung der Emissionen angesichts des in den letzten Jahren immer weiter ansteigenden Aufkommens ein besonders herausforderndes Ziel dar, betonte auch Bundesminister Norbert Hofer. Der Lösungsansatz dafür: Nicht nötige Verkehre vermeiden – Verlagerung auf effizientere Verkehrsmittel – Verbessern von bestehenden Technologien.

Mobilität in der Hauptstadt

Gastgeberinnen des Wiener Workshops waren Angelika Winkler, stellvertretende Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung und Stadtplanung (MA 18), sowie Beatrix Rauscher aus dem Büro für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung der Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou. Die Ministerien wurden von Werner Thalhammer (BMNT) sowie Henriette Spyra und Hans-Jürgen Salmhofer (beide bmvit) vertreten. Das Teilnehmerfeld setzte sich aus diversen Bereichen der Landesverwaltung, Land Wien, Verkehrsverbund Ostregion VOR, Wien Energie, Wiener Linien, tina vienna, Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Währing), AK Wien und Post AG zusammen, so dass rund 20 Expertinnen und Experten an der Veranstaltung beteiligt waren.

Eine Umfrage gleich zu Beginn des Workshops verriet Folgendes: Zwei von drei Teilnehmenden kamen nicht in Wien zur Welt, sondern wuchsen am Land auf. Zum anderen nahm die Hälfte aller Teilnehmenden die Öffis zur Anreise.

Angelika Winkler und Beatrix Rauscher begrüßten in ihren Eröffnungsworten diese Art der Zusammenarbeit auf dem Weg zu einer Mobilität der Zukunft. Neu erschien für sie die Dringlichkeit des Bundes in diesem Anliegen, hoben gleichtzeitig aber die Vorbildrolle Wiens hervor, ganz wesentlich im Bereich des Öffentlichen Verkehrs (ÖV), aber auch hinsichtlich Fachkonzepten zur Verkehrs- und Stadtplanung. Damit die Mobilitätswende gelingen kann, ist aus ihrer Sicht jedoch ein gesellschaftlicher Prozess erforderlich, auf den man die Menschen mitnehmen müsse.

Im Anschluss präsentiert Angelika Winkler aktuelle Strategien im Mobilitätssektor für Wien. In der Verkehrsstatistik ist seit 2012 im Modal Split eine Stagnation im ÖV sowie im Radverkehr zu beobachten. Außerdem gäbe es signifikante Unterschiede zwischen Innen- und Außenbezirken, die unterschiedlichen Städten entsprächen, so dass man im Grunde von zwei Wiener Realitäten sprechen kann. Der ÖV-Anteil ist in beiden Zonen sehr hoch, Radfahr- und Fußgängeranteil in den Innenbezirken jedoch wesentlich stärker ausgeprägt.

© WienTourismus/Peter Rigaud

Als schnell wachsende Metropole ist der Handlungsbedarf in der Hauptstadt besonders groß. In der demnächst zwei Millionen Menschen zählenden Stadt ist ein kleiner werdender Anteil im Individualverkehr (MIV) besonders wichtig um zumindest die absolute Zahl an Pkw zu halten. Ein proklamierter Zielwert für 2025 ist es, den Verkehr des Umweltverbundes auf 80 prozent sowie eine Reduzierung des MIV auf 20 Porzent (von derzeit 27) voranzutreiben. Dabei soll auch die bisherige, gute Zusammenarbeit mit den Nachbarbundesländern ausgebaut und in weiteren, gemeinsamen Kapiteln in den Landeskonzepten zur Verkehrsplanung von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland manifestiert werden. Darüber hinaus solen mit dem Stadtentwicklungsplan (STEP) Prinzipien festgelegt, die Einbindung aller Stakeholder gesichert sowie Pilotprojekte ermöglicht werden, wobei vor allem das Projekt Mariahilfer Straße -in dieser Form nun die größte Shared Space Zone weltweit – als wegweisendes Beispiel diente. Weitere Prioritäten für Wien sind Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, der ÖV-Ausbau, Parkraummanagement und eine flexiblere Ausgestaltung der Stellplatzverpflichtung. Außerdem gibt es einen Schwerpunkt City-Logistik, der als groß angelegtes Projekt gemeinsam mit Niederösterreich und den Wirtschaftskammern lanciert wurde.

Herausforderungen für Wien

  • In Wien werden rund um das Thema Verkehr oftmals sehr emotionale Debatten geführt. Dazu zählt insbesondere auch die Bewirtschaftung des öffentlichen Raums, der derzeit zu zwei Dritteln von Pkw besetzt wird. Grundsätzlich sei auch im historisch dicht bebauten Gebiet genug Platz vorhanden, die Frage sei vielmehr wie man diesen Platz zukünftig verteilt.
  • Wichtig sei es in der Diskussion, Zielkonflikte offen anzusprechen. Dafür brauche es auch mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Thema.
  • Es braucht Zukunftsbilder in den Köpfen der Leute. Ein gesellschaftlicher Prozess sei dafür notwendig. Um diese Prozesse zu ermöglichen, brauche es mehr Ressourcen, mehr Methodenkompetenz. Auch das Testen in Laboren und Pilotprojekten sei wichtig – inklusive der dafür nötigen Fehlerkultur. Auch sei es wichtig Transformationsprozess anzustoßen für jene Branchen, die womöglich besonders von der Mobilitätswende betroffen sind.
  • Trotz hervorragendem Öffi-Netz brauche esauch in Wien noch mehr Kundenorientierung insbesondere für Einpendler, um Zielgruppen zu erreichen die derzeit noch nicht erreicht werden.

Niederösterreich: Mobilität in ihrer Vielfalt sichern

Niederösterreich ist das flächenmäßig größte Bundesland Österreichs und umschließt dazu die Bundeshauptstadt Wien vollständig. Aus dieser Situation wuchs im Land eine historische Dominante der erbauten Verkehrswege, die sich vor allem Richtung Wien konzentrieren und die Mobilitätsströme des Landes maßgeblich bestimmen. Vor diesem Hintergrund lud Werner Pracherstorfer, Leiter der Abteilung Gesamtverkehrsangelegenheiten im Land, zum niederösterreichischen Workshop. Die Ministerien wurden von Martin Eder vom BMNT sowie von Henriette Spyra und Stefan Krase vom bmvit vertreten. Dazu kamen etwa 30 Expertinnen und Experten, die sich aus der Landesverwaltung, Interessenverbänden, Verkehrsbetrieben, Forschungsinstitutionen und Energieversorgern zusammensetzten. Darunter waren Teilnehmende von Behörden der Landesregierung NÖ, Vertreterinnen und Vertretern von Städten und Gemeinden, dem Vekehrsverbund Ost VOR, ÖAMTC, BOKU Wien, TU Wien, eNu und EVN.

Pracherstorfer hob in seinen Eröffnungsworten hervor, dass es für Niederösterreich besonders gilt, die Mobilität in ihrer Vielfalt zu sichern. Die Daseinsvorsorge besteht vorwiegend aus der Bereitstellung des ÖV. Darüber hinaus werden aber auch andere Lösungen notwendig sein. Besondere Bedeutung habe das Umland von Wien, wo in einem Umkreis von 30 Kilometern um die Bundeshauptstadt etwa die Hälfte der gesamten Bevölkerung des Landes lebe. Auf den Umweltverbund setze Niederösterreich nach wie vor große Stücke, was sich auch in den Bestellungen des ÖV niederschlage, welche sich im Zeitraum 2011-22 um den Faktor 14 erhöhen werden.

Franz Angerer, Energiebeauftragter des Landes Niederösterreich, präsentierte im Anschluss das 2014 beschlossene Klima- und Energieprogramm 2020 für Niederösterreich, welches seither stetig aktualisiert wird. Es regelt und koordiniert die klima- und energiepolitischen Aktivitäten des Landes in Übereinstimmung mit der EU-Energieeffizienzrichtlinie, dem Klimaschutzgesetz des Bundes, des NÖ-Energieeffizienzgesetzes und des NÖ-Energiefahrplans. Ziele sind dabeiunter anderem die Steigerung der Energieeffizienz und des Einsatzes Erneuerbarer Energieträger, der Klimaschutz als Motor für Innovationen und Investitionen in die Zukunft Niederösterreichs sowie die Erhöhung der Lebensqualität durch einen nachhaltigen Lebensstil.

In diesem Kontext fällt die Entwicklungen der Emissionen für Niederösterreich im Verkehrsbereich negativ auf. So haben sich die Emissionen seit 1990 von rund drei Millionen Tonnen auf fünf Millionen Tonnen CO2 erhöht, was im Umkehrschluss bedeutet, dass man von den Zielsetzungen für 2020 (CO2-Reduktion um 20 Prozent) derzeit um drei Prozentpunkte im Hintertreffen liegt.

© ecoplus.at

Oliver Danninger, Leiter der in der Abteilung Gesamtverkehrsangelegenheiten neu geschaffenen Stabsstelle Neue Mobilitätsformen, kam danach auf das Mobilitätskonzept 2030+ zu sprechen, dessen vier Ziele folgende sind: Verkehrsbedingte Klima- und Umweltbelastungen minimieren, Mobilitätschancen verbessern, die Effizienz des Verkehrssystem erhöhen sowie den Betrieb der Infrastruktur zu gewährleisten. Um positive Effekte zu erhalten und dabei auch die Wirtschaftlichkeit zu sichern, wird räumlich entsprechend dem Landesentwicklungskonzept nach Landesweiten Schwerpunkten, Zentren, Achsen und ländlichen Räumen differenziert:

Schwerpunkte für Zentren:

  • Multimodalität fördern
  • Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel etablieren
  • emissionsarme Mobilität fördern
  • Erreichbarkeit für die Bevölkerung und die Wirtschaft sichern

Schwerpunkte für Achsen:

  • ÖV-Knoten als modale und intermodale Schnittstellen verbessern
  • Verkehrsachsen ausbauen und effizient nutzen
  • Intermodale Knoten für den Güterverkehr schaffen
  • Infrastrukturprojekten effizient und umweltfreundlich abwickeln

Schwerpunkte für den ländlichen Raum:

  • Erreichbarkeiten zentraler Orte und Einrichtungen verbessern
  • Regionallogistik fördern
  • Das Straßennetz optimieren und Straßenprojekte standardisieren
  • Gemeinden und Regionen bei der Planung lokaler und regionaler Fuß- und Radverkehrsnetze unterstützen
  • Angebote bei Breitband und Internet verbessern

Mobilitätspaket 2018-22

  • Ausbau von Verkehrsinfrastruktur (Marchegger Ast, Pottendorfer Linie, Nordbahn)
  • Stärkung von multimodalen Angeboten
  • Kooperationen (P&R Anlagen Neubau, nachhaltige Logistik, Bahnhofspaket)
  • Innovative Impulse (MaaS, E-Mobilität, Sharing Mobility)

Schwerpunktthemen der niederösterreichischen Visionen zur Mobilitätswende waren geteilte Mobilität und neue Antriebe. Von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde beobachtet, dass in vielen Diskussionen zur Mobilität der Zukunft „Das Selbst nicht vorkomme“. Notwendige Veränderungen würden auf Technologien oder Infrastrukturen geschoben, das eigene Mobilitätsverhalten spiele zumeist eine untergeordnete Rolle. Wichtig in Niederösterreich war auch, dass die öffentliche Hand bei neuen Konzepten wie Mobility-as-a-Service eine wichtige Rolle spielen müsse. Wie in Wien wurde auch in St. Pölten das gemeinsame Projekt Logistik Wien-Niederösterreich 2030 als Best Practice Beispiel für regionsübergreifende sowie Stakeholder-übergreifende Zusammenarbeit zur Gestaltung nachhaltiger Gütermobilität herausgestellt.

Besonders herausfordernd für Niederösterreich sei jedoch die räumliche Differenzierung des Landes und vor allem die Finanzierung der Mobilitätswende. Aufbauen könne man jedoch auf einer Reihe niederösterreichischer Stärken wie einer positiven Haltung der Bevölkerung zum ÖV, einer neuen eigenen Stelle für neue Mobilitätsformen beim Land, der Zusammenarbeit mit Wien und dem Burgenland in der Planungsgemeinschaft Ost, vielen Eigeninitiativen im ländlichen Raum (z.B. eCarsharing), der Bahnhofsoffensive oder Vorzeigeprojekten wie GIP.NÖ.

Zurück in den Süden – Die Steiermark

Am 26. April kamen in Graz etwa 35 Expertinnen und Experten zum steirischen Workshop zusammen. Für das Land Steiermark begrüßte Landesbaudirektor Andreas Tropper alle Teilnehmenden. Die Ministerien wurden von Robin Krutak (BMNT) sowie von Hans-Jürgen Salmhofer und Stefan Krase (bmvit) vertreten. Darüber hinaus kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem steirischen Landtag, der Landesverwaltung, Land Steiermark, Stadt Graz, Graz Holding, ASFINAG, Grazer Energieagentur, WKO, Steirische Landesbahn, AC Styria, Energie Graz und dem Gemeindebund. Auch in Graz ergab eine Umfrage zu Beginn der Veranstaltung, dass rund die Hälfte der Teilnehmenden nicht in der Stadt sondern am Land aufgewachsen und somit mit den entsprechenden Herausforderungen an die Mobilitätsangebote vertraut ist.

Tropper eröffnete den Workshop und stellte die rasante Entwicklungen im Technologie- und Mobilitätssektor in den Mittelpunkt seiner Rede. Dabei hob er besonders die zahlreichen Fortschritte und Möglichkeiten im Bereich künstlicher Intelligenz und autonomen Fahrens hervor, verwies aber gleichzeitig auch auf die Herausforderungen im Kontext des Klimawandels. Zu bedenken gab er, dass sich Technologien so schnell weiter entwickeln, dass eine nachhaltige Verkehrsplanung nur schwer schritthalten könne. Umso wichtiger wäre ein multimodales und vor allem flexibles Verkehrsmanagement als entsprechende Antwort.

 

 

Im Anschluss wurde durch die Klimaschutzbeauftragte des Landes, Andrea Gössinger-Wieser, die seit Jänner 2018 vorliegende Klima- und Energiestrategie (KESS 2030) vorgestellt. Innerhalb der Strategie wurden ua folgende Ziele festgehalten:

  • Senkung der CO2-Emissionen um 36 Prozent
  • Ausbau Erneuerbarer Energiequellen und Verbesserung der Energieeffizienz
  • Erarbeitung eines konkreten Aktionsplans

Dieter Thyr, Leiter des Referates Energietechnik und Klimaschutz, knüpfte daran an und betonte, dass für die Klima- und Energiestrategie der Mobilitätsbereich von größter Bedeutung ist, da die Hälfte aller Emissionen auf Landesebene aus dem Verkehrssektor stammen. Auch aus diesem Grund existiert in der Steiermark eine E-Mobilitätsstrategie, die den von Feinstaub geplagten Regionen zur Luftreinhaltung helfen und auch die Energieeffizienz erhöhen soll.

Einen großen Erfolg sowohl in Sachen Klimaschutz und nachhaltiger Personenmobilität veranschaulichte Bernhard Breid, Leiter des Referats Öffentlicher Verkehr, anhand des Jubiläums zehn Jahre S-Bahn in der Steiermark und fügte an, dass die Fahrgastzahlen seit der Eröffnung um ganze 64 Prozent gestiegen sind. Ein weiterer großer Sprung wird mit der neuen Koralmbahn erwartet. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Förderprogramme auch für schwächer besiedelte Räume, in denen öffentlicher Verkehr tendenziell schwieriger zu organisieren ist. Daraus sind seit einem Jahr in rund 70 Gemeinden effiziente Mikro-ÖV-Systeme entstanden. Dazu kommen neue Initiativen zur Stärkung der Regionalbusse hinsichtlich Vernetzung und Taktung, insbesondere an Wochenenden. Im Öffentlichen Verkehr sollen zudem Mindeststandards bei der Versorgung umgesetzt werden

 

Auch im Bereich der aktiven Mobilität gibt es positive Entwicklungen. Der Radverkehrskoordinator des Landes, Bernhard Krause, präsentierte die 2016 beschlossene Radverkehrsstrategie, die an bisherige Strategien anknüpft. Durch die strategische Ausrichtung können Schwerpunktsetzungen abgeleitet und Verlagerungspotentiale abgelesen werden, so dass bereits ein angepasstes Fördermodell beschlossen werden konnte. Zwei Schwerpunkte daraus:

  • Ganzheitliche Planung, auch mit Partnerstädten
  • Vermittlung des Radfahrens als Lebensgefühl –ein Kommunikationsplan wird in Kürze vorgestellt.

Diskussion & Bilanz

Innerhalb einer ersten Diskussion wurden weitere Vorhaben zur Verbesserung des ÖV-Angebots – beispielsweeise der Stadt Graz durch den Ausbau des Straßenbahnnetzes -vorgestellt. Die Pläne der Stadt Graz wären trotz erstmaliger Förderung durch das Land aber dringend auf Bundesmittel zur Realisierung angewiesen.

Ein weiteres Kernanliegen der DiskutantInnen war die Förderung der Elektromobilität. Neben bereits sehr gut etablierten und prämierten multimodalen Projekten wie tim – welches vom bmvit unterstützt und mit dem Staatspreis Mobilität 2017 ausgezeichnet wurde – brauche es konsequente, weiterführende Bemühungen auf allen Ebenen. Einmal mehr wurde auch unterstrichen, dass sich Mobilität im Bewußtsein der Menschen abspielt und mit sehr vielen Emotionen verbunden ist. Dies sollte in Zukunft verstärkt berücksichtigt und auch direkt adressiert werden.

© ISTmobil GmbH

Im Anschluss widmeten sich die TeilnehmerInnen den wesentlichen Herausforderungen in der Steiermark. Dabei zeigte sich auch hier, dass es in der Vergangenheit bei der Raumplanung zu suboptimalen Entwicklungen gekommen ist. Diese äußern sich unter anderem in erhöhten Personen- und Güterverkehren, wodurch man jetzt mit einer punktuellen Überlastung von Hauptverkehrswegen einerseits, aber auch mit weiten Wegstrecken und der damit verbundenen „Zwangsmobilität“ andererseits zu kämpfen hätte. In Zukunft gelte es dementsprechende Fehlentwicklungen zu vermeiden, die Regionen zu stärken und den ländlichen Raum mit einer Grundversorgung an öffentlichen Verkehren auszustatten. Dazu seien kompaktere Siedlungsstrukturen und ein gestärkter Umweltverbund notwendig. Darüber hinaus sind Infrastrukturinvestitionen (z.B. ÖV- Infrastruktur, Hauptradrouten etc.), der Ausbau von innovativen Mobilitätslösungen als auch vertiefte Kooperationen zwischen Stadt und Umland dringend nötig.

Im Sinne der Klimazielerreichung und zur Verbesserung der Luftqualität, vor allem in und um die Landeshauptstadt, gilt es eine rasche Umstellung auf nachhaltige Verkehrsmittel zu erreichen. Hier seien neben Angebotserhöhungen beim ÖV, bewusstseinsbildende Maßnahmen zum Umstieg auf den Umweltverbund, als auch die Gewährleistung von Kostenwahrheit als absolut notwendig zu erachten. Zur Zielerreichung könne auch die E-Mobilität beitragen. Hier gilt es jedoch Hürden bei der Errichtung von Ladeinfrastruktur im privaten Bereich zu beseitigen sowie Aufklärungsarbeit zu leisten.

Innerhalb des Workshops zeigte sich deutlich, dass sich die Steiermark durch einige Stärken auszeichnet, die auf die bestehenden Bemühungen zurückzuführen sind. So verfügt die Steiermark über ein sehr gutes S-Bahn-Netz und einer ÖV Anbindung an die Kernstädte. Zudem existieren für verschiedene Anwendungsgebiete bereits etablierte multimodale Systeme wie tim (täglich.intelligent.mobil) und IST Mobil (Anruf-Sammel-Taxi-System) die weiter ausgebaut werden können. Zufrieden zeigten sich die TeilnehmerInnen ebenfalls mit den bereits sehr guten Kooperationen auf verschiedenen Ebenen innerhalb des Bundeslandes.

Abschluss im Burgenland

Zum Abschluss stand mit dem burgenländischen Workshop die vorerst letzte Station auf der Bundesländer-Tour auf dem Programm. Dazu trafen in Eisenstadt 15 Expertinnen und Experten zusammen. Für das Land Burgenland begrüßte Gesamtverkehrskoordinator Peter Zinggl alle Teilnehmenden, die Ministerien wurden von Petra Völkl (BMNT) sowie von Stefan Krase (bmvit) vertreten. Darüber hinaus kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Landesverwaltung Land Burgenland, ÖBB, Raaberbahn, ARBÖ, ÖAMTC usw. Auch bei der letzten Veranstaltung wurden die Teilnehmenden nochmals nach Herkunft und Mittel der Anreise befragt: Drei Viertel wuchsen demnach am Land auf, was sich auch in der Art der Anreise widerspiegelte, da ebenfalls drei Viertel angaben, mit dem Pkw angereist zu sein, drei jedoch innerhalb einer Fahrgemeinschaft in einem E-Pkw.

bmvit unterwegs, © privat

Gesamtverkehrskoordinator Zinggl eröffnete den Workshop und erläuterte die Ausgangsposition des Burgenlands. Derzeit weist das Burgenland den höchsten Motorisierungsgrad innerhalb Österreichs auf: auf 1.000 Bewohnerinnen und Bewohner kommen 659 Pkw. Dies ist sowohl auf historische Gegebenheiten, als auch auf die ländlichen und dadurch zerklüfteten Strukturen des Bundeslandes zurückzuführen, die in vielen Gebieten zwar eine hohe Wohnqualität zur Verfügung stellen, aber auch eine stetige Zurückdrängung öffentlicher Verkehrsangebote zur Folge haben. Seit einigen Jahren ist im Burgenland aber wieder ein gegenläufiger Trend zur Rückbesinnung auf den öffentlichen Verkehr zu beobachten. So wurden beispielsweise Nebenbahnen wie die Neusiedler Seebahn oder die Panonia Bahn revitalisiert. Zudem wurde mit der Buslinie G1 eine für Pendlerinnen  und Pendler wesentliche Süd-Nord-Verbindung geschaffen, die auch täglich von rund 1.600 Personen genutzt wird.

Durch das verbesserte ÖV-Angebot konnte die Lebensqualität der Burgenländerinnen und Burgenländer maßgeblich verbessert werden. Nun müssten die Bemühungen jedoch aufrechterhalten werden, um Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu etablieren. Durchaus stolz zeigte sich Zinggl auch auf die burgenländische Mobilitätsplattform b-mobil.info, die Services über die regionale Fahrplan- und Tarifauskunft hinaus anbietet und als Anlaufstelle zu allen Themen, den ÖV betreffend, fungiert. Derzeit arbeitet man im Burgenland an einer strategischen Ausrichtung im Bereich E-Mobilität, bei der eine enge Einbindung aller Interessensgruppen geplant ist. Zudem wird eine Radverkehrsstrategie zur Etablierung des Rades im Alltag finalisiert, die auch den landesweiten Infrastrukturbedarf und bestehende Barrieren abbilden soll.

© Mobilitätszentrale Burgenland

Im Anschluss an die Vorträge widmeten sich die Teilnehmenden den wichtigsten Herausforderungen im Burgenland. Dabei zeigte sich deutlich, dass die ländlichen Siedlungsstrukturen sowie lange Wegstrecken zwischen Arbeitsplatz und Wohnort zu Problemen bei der Bereitstellung öffentlicher Verkehrsangeboten führen. Dadurch kommt es vor allem im südlichen Burgenland zu einer enormen Abhängigkeit vom Pkw. Ohne eigenes Fahrzeug, immer öfter auch als Zweit- und Drittwagen pro Haushalt, sei keine selbstbestimmte Mobilität möglich. Verschärft werde dies durch regionale Abwanderungstendenzen.

Um eine Trendwende einzuleiten, sei der Ausbau der Hauptverkehrskorridore mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewerkstelligen. In Kombination mit Park-and-Ride-Anlagen könnte man den hohen Ansprüchen wie Komfort gerecht werden und als Alternative zum Pkw etablieren. Dabei wird wie auch in den anderen Bundesländern einerseits ein Fehlen der budgetären Mittel für den Ausbau der Infrastruktur bemängelt, andererseits die dringend benötigte Verbesserung des bestehenden Angebots angemahnt.

Von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Mobilitätswende wurde auch im Burgenland durch die Mitwirkenden des Workshops das Thema Bewusstseinsbildung erachtet. Hier fehle es noch an der Akzeptanz für Alternativen zu Pkws. Vorgeschlagen wurden frühzeitig gesetzte, bewusstseinsbildende Maßnahmen, die bereits während der Volksschulphase eingeführt werden könnten. Damit sollte, so die Teilnehmenden, die Basis für ganzheitliche, bewusste Kosten-Nutzen-basierte Entscheidungen getroffen werden. Oft stünden den Pendlerinnen und Pendlern nicht alle Informationen für diese Entscheidungsfindung zur Verfügung.

Der Ausbau von ÖV-Infrastruktur und der Schaffung eines entsprechenden Angebots muss gegenüber dem Straßenbau absolute Priorität eingeräumt werden, waren sich alle Anwesenden einig. Der motorisierte Individualverkehr solle dabei durch die Verwendung von sauberen Antriebskonzepten effizienter gestaltet und nur für die letzte Meile (Park-and-Ride zum Wohnort) Anwendung finden. Zusätzlich brauche es klare gesetzliche Rahmenbedingungen und ein ökologisiertes Steuersystem, um die Entwicklungen aktiv zu lenken.

Innerhalb des Workshops zeigten sich auch die Stärken des Burgenlands: Das Burgenland ist autark bei der Stromerzeugung. Mit 146 Prozent kann die Stromerzeugung im Land weit über Bedarf mit Windkraft abgedeckt werden. Entsprechend gut ausgebaut ist auch bereits das Stromnetz. Ermöglicht wurde dies einerseits durch klare politische Zielsetzungen, aber hauptsächlich durch eine hohe Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Windrädern.

Zufrieden zeigten sich die Teilnehmenden ebenfalls mit der sehr guten Nahversorgung in der Region sowie mit bestehenden ÖV- und Mikro ÖV-Konzepten. Durchaus positiv werden im Allgemeinen die Entwicklungen bei der Taktung des ÖV als auch der länderübergreifende Verkehrsverbund empfunden.

Moderiert werden alle Veranstaltungen von Birgit Baumann (BusinessMind).  Zur Nachlese gibt es alle vorherigen Berichte zu den Workshops:

  1. Die Ergebnisse der Tour #mission2030 für Kärnten, Tirol und Vorarlberg.
  2. Die Ergebnisse der Tour für Salzburg und Oberösterreich
INFObox: Der Wandel im Verkehrssektor ist bereits im vollem Gange. Klimaschutz, Digitalisierung und Automatisierung sind die grundlegenden Faktoren, die unsere Mobilität erheblich beeinflussen werden. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) zeigt mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) Wege, wie diese Transformation als eine der dringendsten Herausforderungen unserer Zeit erfolgreich und leistbar umgesetzt werden kann, um ein sauberes, sicheres, und wettbewerbsfähiges Mobilitätssystem für Österreich zu entwickeln.