Kategorie Innovation & Technologie - 9. April 2019

Digitalisierung auf Schiene: Vanessa Langhammer ist FEMtech-Expertin des Monats

Die Wirtschaftsingenieurin Vanessa Langhammer ist unsere FEMtech-Expertin des Monats April. Sie leitet in der Rail Cargo Group den Bereich Digitalization, der vor allem die technologische und prozessuale Entwicklung im Güterverkehr der ÖBB vorantreiben soll – unter Berücksichtigung unternehmenskultureller Faktoren. Verbunden mit allen Chancen und Herausforderungen der digitalen Vernetzung in der Logistik trägt sie bei der Rail Cargo Group die Verantwortung für eine reibungslose, fachübergreifende Zusammenarbeit aller Betriebsbereiche im internationalen Kontext.

Die Digitalisierung ist nicht nur im ÖBB-Personenverkehr ein heißes Thema. Auch der Logistikbereich steht im Zeichen dieser vor zahlreichen Umbrüchen. Die fortschreitende Vernetzung von Menschen, Daten und Maschinen birgt viele Veränderungsmöglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf Schnelligkeit, Flexibilität und Kollaborationsmöglichkeiten in den Prozessen. Auch bei der Rail Cargo Group wird intensiv an Digitalisierungsoffensiven gearbeitet. Diese umfasst nicht weniger als den gesamten Schienen­güterverkehr der ÖBB in Europa. Vanessa Langhammer und ihr Team leisten dazu einen entscheidenden Beitrag.

 

„Ich komme eigentlich aus dem Bereich der Prozessoptimierung, wo es primär darum geht, Zusammenhänge zu erkennen sowie mit betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verbesserungen zu identifizieren und umzusetzen. Im Kontext der Digitalisierung erweitert sich diese Aufgabe nun um neue Technologien, neue Geschwindigkeiten und Arbeits­formen und ermöglicht neben Effizienzsteigerungen fast immer auch neue Serviceleistungen für unsere Kunden,“ so Langhammer über ihre Arbeit.

Aus der reinen Prozessentwicklung wird damit eine komplette Organisationsentwicklung, da jede Veränderung zeitgleich prozessuale, technologische und auch kulturelle Auswirkungen hat. „Auf allen drei Ebenen haben wir in traditionellen Großkonzernen einen gewissen Nachhol­bedarf, den ich mit meinem Team aktiv adressiere und über entsprechende Projekte in der Umsetzung begleite.“ Dies erfordere laut Langhammer ein fundiertes Verständnis des Kerngeschäfts, eine technische Affinität, Mut für Experimente, Ausdauer in der Umsetzung und ein gutes Gefühl für Menschen im Kontext von Veränderungsprozessen. „Ich befinde mich daher inhaltlich vermittelnd zwischen Business, Technologie und Menschen.“

Im Digitalisierungsprojekt ging man bereits sehr früh neue Wege. In mehrteiligen Workshops mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus ganz unterschiedlichen Bereichen wurde die Rail Cargo Group „komplett neu gedacht“. Ein Erfologsrezept für die Zukunft: „Jeder und jede soll aus seinem eigenen Bereich heraus Ideen entwickeln und im Unternehmen einbringen. Digitalisierung ist auch ein Kulturprojekt und das funktioniert nicht top-down.“ Die Erkenntnisse aus verschiedenen Pilotinitiativen in Kombination mit einem funktionalen Zielbild für die „digitale Rail Cargo Group“ gehen seit Anfang 2019 gebündelt in die skalierte Umsetzung. Geplant ist das Programm auf 5 Jahre mit einem starken Fokus auf die anwendungsorientierte Unterstützung der MitarbeiterInnen, sowie einem kollaborativen Austausch entlang der Wertschöpfungskette.

 

Vanessa Langhammers Ziel ist es, den Schienengüterverkehr in Europa neu zu denken und zu gestalten. Dass die Schiene eine stark regulierte Branche ist, welche sich für die Herausforderung einer zunehmend vernetzten Logistik rüsten muss, sieht sie als „spannende berufliche Herausforderung“. „Die Logistik der Zukunft baut hier auf einen ressourcenschonenden Mix an Verkehrsträgern, aber vor allem auf das umweltfreundliche Transportmittel Bahn.“

Ein großes Anliegen Vanessa Langhammers ist dabei auch die Chancengleichheit. Sie engagiert sich deshalb als Mentorin im Cross Mentoring Programm, um als Führungskraft andere Frauen aus Partnerkonzernen (ÖBB, ASFINAG & Wiener Stadtwerke) in ihrer beruflichen Laufbahn zu begleiten. Sie baut damit ihre bereits im Studium gesammelte Erfahrung als Mentorin aus, wo sie als CyberMentorin Schülerinnen und junge Frauen für Berufe in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu begeistern wusste.

Die Rail Cargo Group ist die Güterverkehrssparte der ÖBB mit Sitz in Wien. Das Unternehmen ist einer der führenden Bahnlogistiker in Europa, und vernetzt interkontinentale Handelsrouten bis nach Asien.

  • Womit ich als Kind am Liebsten gespielt habe:
    Je nach Laune Matchbox-Autos oder Barbie-Pferde…am liebsten aber Rollenspiele mit Freunden draußen in der Natur.
  • Mein Lieblingsfach in der Schule war:
    Mathematik…mit Zahlen kann man viele spannende Sachen machen, wenn man sich an logische Zusammenhänge und Konsistenz in den Annahmen hält.
  • Dieses Studium würde ich jetzt wählen:
    Ich würde wieder Wirtschaftsingenieurwesen studieren, es hat Spaß gemacht und die Themenvielfalt bringt mir jetzt auch im Beruf an ganz unterschiedlichen Stellen noch einen Mehrwert.
  • Meine Vorbilder sind:
    Meine Mutter, denn sie ist als Frau in einem technischen Umfeld beruflich erfolgreich und das in einer Zeit wo das Thema Frauenförderung noch nicht so präsent war wie heute – sie ist sich treu geblieben und hat viel bewegt.
  • Was ich gerne erfinden würde:
    Wenn ich eine konkrete Idee hätte, dann würde ich nicht darüber schreiben sondern bereits daran arbeiten.
  • Wenn der Frauenanteil in der Technik 50 Prozent beträgt …
    … dann sind Projekte und Meetings mindestens doppelt so spannend wie heute und die Lösungsvorschläge vielfältiger.
  • Wenn der Frauenanteil in Führungspositionen 50 Prozent beträgt …
    dann verändert sich die gesamte gesellschaftliche und wirtschaftliche Dynamik.
  • Was verbinden Sie mit Innovation:
    Aus meiner Vorlesung Strategisches Marketing ist mir ein Statement bis heute in Erinnerung geblieben: „Den Innovationsgrad einer Idee erkennt man am Widerstand den sie auslöst.“ – Diese Beschreibung trifft es aus meiner Sicht sehr gut, denn die wirklich tiefgreifenden Veränderungsideen lösen meist im ersten Impuls ein Gefühl von „das ist ja gar nicht umsetzbar“ aus und wenn man trotzdem dran bleibt und die Hürden nach und nach überwindet kommt etwas raus, was bestehende Regeln/Annahmen in Frage stellt und damit neue Maßstäbe schafft.
  • Warum ist Forschungsförderung in Österreich wichtig:
    Wir brauchen Raum für Experimente, um technisch und gesellschaftlich Entwicklung zu ermöglichen. Diese Experimente brauchen einen Rahmen, der nicht wirtschaftlich gemessen wird, denn der Nutzen liegt nach erfolgreicher Forschung zum Teil ganz woanders als am Anfang vermutet.
  • Meine Leseempfehlung lautet:
    Hört auf, Innovationstheater zu spielen von Jean-Philippe Hagmann & Erde 5.0 – Zukunft provozieren von Karl-Heinz Land
Frauen in Forschung und Technologie: Mit der Initiative FEMtech fördert das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) Frauen in Forschung und Technologie und schafft Chancengleichheit in der industriellen und außeruniversitären Forschung. Unter ,Chancengleichheit werden in diesem Zusammenhang ,,gleiche Rahmenbedingungen und Erfolgschancen für Frauen und Männer in Forschung und Technologie“ verstanden. FEMtech wird derzeit einem Re-Launch unterzogen und neu fokussiert. Ziel von FEMtech ist es, noch stärker den Unternehmensbereich sowie Fachfrauen aus den Bereichen Forschung, Technologie und Innovation anzusprechen. In dieser Übergangszeit werden wir trotzdem dafür sorgen, dass Sie eine monatliche Expertin und relevante News zur Initiative präsentiert bekommen.