Kategorie Informationen & Tipps - 2. March 2018

Bewegte Erde: Das NHM zeigt die Dynamik des Planeten & das Klima im Wandel

Anfang des Jahres bebte in Vorarlberg gleich drei Mal die Erde. Weitere Erdbeben wurden erwartet und Magnituden von bis zu 5,0 auf der Richterskala von Experten in Betracht gezogen. Erdbeben in Österreich? Die gibt es immer wieder und beweisen die große Dynamik des Planeten auch in mitteleuropäischen Gefilden.

Als könnte sie nichts erschüttern dreht sich dagegen seit Jahren das zwei Meter große Modell Erde im Geologie-Saal des Naturhistorischen Museums Wien. Wie dynamisch der Planet tatsächlich ist, vermittelt nun die neue Simulation „Shaking Earth“ direkt daneben. Täglich aktualisiert werden alle Beben ab einer Magnitude 3 dargestellt – eine beeindruckende Zahl aufpoppender kleinerer und größerer roter Punkte.

„Die Menschen haben eine sehr statische Vorstellung von der Welt“, sagte Mathias Harzhauser, Leiter der Geologisch-Paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums (NHM). Zusätzlich zur benachbarten Plattentektonik-Maschine wolle man mit der neuen, vom Medienunternehmen 7reason realisierten Animation dem Publikum „die Dynamik des Planeten vermitteln“.

Die Visualisierung zeigt die weltweite, regionale und lokale Erdbebentätigkeit auf verschiedenen Zeitskalen. Alle Beben der Magnitude 3 seit 1980 sind erfasst und werden täglich um 8.00 Uhr Früh aktualisiert. Die Größe der ein Erdbeben signalisierenden Punkte zeigt seine Stärke. Zudem gibt es Informationsseiten über die zehn stärksten Beben weltweit seit 1960 sowie die wichtigsten Beben in Österreich seit dem 12. Jahrhundert. Das Projekt wurde durch die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aus Mitteln der Dr. Emil Suess-Erbschaft gefördert und in Kooperation von NHM, Technischer Universität (TU) Wien und Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) realisiert.

40 bis 60 fühlbare Beben in Österreich pro Jahr

Rund 7.000 Mal bebt die Erde pro Jahr weltweit mit einer Magnitude 4 oder höher, sagte Wolfgang Lenhardt, Leiter des Österreichischen Erdbebendienstes an der ZAMG. Er wird anlässlich der Eröffnung der neuen Simulation neben anderen Experten bei einem Symposium im NHM referieren. Hierzulande würden rund 2.000 Erschütterungen mit Epizentrum in Österreich registriert, etwa die Hälfte davon gehe auf Sprengungen bzw. Felsstürze zurück.

Fühlbar seien zwischen 40 und 60 Beben pro Jahr in Österreich, so Lenhardt. Der Experte kennt auch den Hauptgrund für Erdbeben in Österreich: „Kleine Teile in der Erdkruste bauen Druck ab, der von der Bewegung der Afrikanischen Platte gegen die Böhmische Masse aufgebaut wird.“

1895: Geburt der modernen Erdbebenforschung

Zu den stärksten in Österreich dokumentierten Erdbeben zählt jenes von Ried am Riederberg vom 15. September 1590. Dabei wurde der Stephansdom beschädigt, der Turm der Michaelerkirche stürzte ein und mehrere Tote waren zu beklagen. Das Beben von Laibach vom 14. April 1895 war Geburtsstunde der modernen Erdbebenforschung. Die k.k. Geologische Reichsanstalt beauftragte einen jungen Geologen mit der Untersuchung des Ereignisses. Er sollte einen detaillierten Fragenkatalog ausarbeiten, um die subjektiven Beobachtungen der Augenzeugen bewerten zu können. Diese objektive Datenerhebung mit Formularen war nach Angaben der Experten wegweisend und lässt sich heute mittels Internet oder App erledigen.

Auf dem Weg zur Bebenstation in Damüls, © ZAMG

Wie die Erdbebenforschung von der Beteiligung der Bürger profitieren kann, zeigte der emeritierte Professor für Geophysik an der TU Wien, Ewald Brückl, mit „Sparkling Science“- und „Citizen Science“-Projekten. So hat er im Projekt „Schools & Quakes“ mit HTL-Schülern Erdbebenstationen in Höhlen und Stollen installiert bzw. erneuert und mit „QuakeWatch Austria“ eine App zur Meldung von Erdbebenbeobachtungen per Handy entwickelt.

Weiters wurden von TU Wien und HTL-Schülern einfache und billige Erdbebensensoren entwickelt, die zwar nicht so präzise messen, wie die professionellen Seismometer, dafür aber direkt dort platziert werden, wo Erdbebenmeldungen der Bevölkerung herkommen. 25 solcher Sensoren wurden im Herbst vergangenen Jahres in Gebäuden im südlichen Wiener Becken angebracht, „um subjektive Wahrnehmungen mit Messwerten zu verbinden“, so Brückl.

Klima im Wandel

Die Veränderungen des Klimas auf unserem Planeten zeigen darüber hinaus neugestalete Vitrinen in der Schausammlung des NHM. Das Museum konnte als Bildungspartner den Klima- und Energiefonds gewinnen und entwicklete so ein spezielles Vermittlungsprogramm mit dem thematischen Schwerpunkt „Klima und Energie“.

„Die Klimaänderungen beeinflussen die Entwicklung des Lebens, doch auch das Leben verändert das Klima – in letzter Zeit der Mensch in einer in der Natur bisher nicht gekannten Art und Geschwindigkeit“, so NHM Wien-Generaldirektor Univ. Prof. Dr. Christian Köberl zur Zusammenarbeit mit dem Klima- und Energiefonds. Und weiter: „Im Naturhistorischen Museum Wien geben Tausende Objekte davon Zeugnis.“

Der Mensch als Klimafaktor

Seit etwa 250 Jahren greift der Mensch sehr stark in das Klimasystem ein. Der hohe Energiebedarf in Industrie, Verkehr und Privathaushalten wird vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe gedeckt. Kohle, Erdöl und Erdgas entstanden langsam über Zeiträume von vielen Millionen Jahren. Beim Verbrennen wird das gespeicherte Kohlendioxid jedoch innerhalb weniger Stunden frei. Der erhöhte Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre führt zu globaler Erwärmung. Diese verändert das Leben auf der Erde und damit auch unser Leben.

Bis 2100 wird ein Temperaturanstieg um 0,9 bis 5,4 Grad erwartet. Um diesen Trend zu stoppen, ist es notwendig, die Freisetzung von Kohlendioxid zu reduzieren. Der Klima- und Energiefonds fördert Maßnahmen und Projekte, die diesen Anteil nachhaltig reduzieren. Erneuerbare Energiequellen wie Wasserkraft, Solar- und Windenergie, sowie Geothermie und Biomasse werden in Forschungsprojekten untersucht und innovative Technologien in den Markt gebracht. Sie sollen Erdöl, Erdgas und Kohle als Energieträger ablösen.

 

Die beste Energie ist die, die nicht verbraucht wird. Die Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds Theresia Vogel und Ingmar Höbarth: „Dem NHM Wien gelingt es in dieser Partnerschaft hervorragend, die Gründe für den Klimawandel und die Dringlichkeit für rasches Handeln für viele Altersklassen anschaulich darzustellen. Und es gelingt auch zu zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, Energie nachhaltig zu produzieren. Wir sind überzeugt, dass die Ausstellung und die Führungen beim Publikum – ob Groß oder Klein – sehr gut ankommen.“

Im NHM Wien ist ein Schausaal dem Planeten Erde und den Wechselwirkungen zwischen Litho-, Hydro-, Bio- und Atmosphäre gewidmet, dort spielt das Thema „Klimawandel“ eine wichtige Rolle. Überraschende Zusammenhänge zwischen geologischen Kräften, dem Klima und dem Leben selbst prägen seit mehr als vier Milliarden Jahren unseren Planeten, viele Schauobjekte und einige interaktive Stationen zeigen dies. Außerdem wurden für alle Schulstufen Programme zum Thema „Klimawandel und Energiewende“ ausgearbeitet, die bereits im November 2017 starteten.

Die botanischen und zoologischen Sammlungen sind eine der weltweit größten und kostbarsten Archive der Artenvielfalt, in vielen Forschungsprojekte dieser Abteilungen geht es um Biodiversität und damit oft auch um die Folgen des durch den Menschen verursachten Klimawandels.

Service: http://www.nhm-wien.ac.at/

Programme für Schulen: Seit November bietet das NHM Wien neu entwickelte Aktionsführungen für die 3. bis 8. Schulstufe und einen Workshop zum Thema „Klimawandel und Energie“ an.

Video über die Simulation „Shaking Earth“:http://go.apa.at/YZYaS6uX

Citizen Science Projekt: http://www.macroseismicsensor.at/

Aktuelle Erbebenkarte: https://www.zamg.ac.at/cms/de/geophysik/erdbeben/aktuelle-erdbeben/karten-und-listen