Kategorie Innovation & Technologie - 24. Juli 2018

Erfolgreiche Probefahrten mit autonomen Bussen in Wien

Seit nunmehr drei Monaten forscht das Projektkonsortium auto.Bus – Seestadt an zwei selbstfahrenden Bussen. Unter der Leitung der Wiener Linien und des Austrian Institute of Technology AIT wurden sie bisher auf geschlossenem Gelände in der Garage Leopoldau auf Herz und Nieren geprüft und getestet.

Nun konnten erstmals zwei Busse in der Seestadt mit Fahrgästen unter Realbedingungen auf einer öffentlichen Straße fahren. Die knapp einen halben Kilometer lange Teststrecke mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Operator an Bord reichte von der U2-Station Seestadt bis zum Technologiezentrum der Aspern Smart City Research (ASCR) und wieder retour. Dabei gelang es in Kooperation mit der Stadt Wien österreichweit erstmals, zwischen den autonomen Bussen und der dortigen Ampel erfolgreiche zu kommunizieren.

Anfang 2019 wird der auto.Bus in der Seestadt erstmals den „Linienbetrieb“ mit Fahrgästen aufnehmen. © Wiener Linien

Das vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) im Rahmen des Programms Mobilität der Zukunft zur Hälfte geförderte Projekt sieht einen regelmäßigen Fahrgast-Testbetrieb mit fixer Linienführung und Haltestellen ab dem Frühjahr 2019 in der Seestadt Aspern vor.Für das gesamte Projektkonsortium, zu dem neben den Wiener Linien und dem AIT auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), der TÜV AUSTRIA, SIEMENS AG Österreich sowie der französische Bushersteller NAVYA gehören, war das ein mit großer Spannung erwarteter Meilenstein.

Resümees zu den Tests

„Die Umsetzung des vom BMVIT geförderten Projekts im Rahmen eines ersten Testbetriebes in der Seestadt, soll dazu beitragen, wichtige neue Erkenntnisse zur Weiterentwicklung automatisierter Mobilität in Österreich zu erlangen . Zusätzlich ist uns auch ein aktives Mitlernen aller Beteiligten, insbesondere auch der öffentlichen Hand, wichtig“, sagt Marleen Roubik von der Stabstelle Mobilitätswende und Dekarbonisierung im BMVIT.

Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien: „Die Wiener Linien arbeiten gemeinsam mit den Projektpartnern intensiv daran, dass autonomes Fahren öffentlicher Verkehrsmittel gelebter Alltag wird. So könnte die aktuelle Technologie unter anderem für den ,last mile‘-Einsatz als Zubringer zum bestehenden öffentlichen Verkehrsnetz wie etwa der U-Bahn eingesetzt werden. An oberster Stelle steht für die Wiener Linien dabei die Sicherheit der Fahrgäste, die durch die derzeit laufenden, intensiven Tests gewährleistet wird.“

Arno Klamminger, Head of Center for Mobility Systems des AIT Austrian Institute of Technology, versprach, im Rahmen der wissenschaftlichen Leitung des Projekts an der optimalen Integration des automatisierten Busses in das Gesamtverkehrssystem zu arbeiten. „Im Fokus stehen insbesondere die robuste Erfassung der Umgebung sowie die Interaktion zwischen dem Bus und den Fahrgästen bzw. den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer im Straßenraum. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir die optimale Auslegung des Fahrzeugs, der Haltestellen und der Linienführung.“

„Die Schaffung von entsprechenden Rahmenbedingungen war grundlegend für die erfolgreiche erste Fahrt mit Gästen. Wir sind stolz darauf, dieses spannende Projekt mit unserer Expertise begleiten zu können und freuen uns sehr, dass der Bus nun auch erstmals öffentlich sichtbar ist“, so Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Recht & Normen im KFV.

Betrieb ab 2019 in der Seestadt

Noch im Herbst 2018 beginnen die fahrgastlosen Testfahrten auf der vorgesehenen, rund zwei Kilometer langen Strecke rund um die U2-Station „Seestadt“. Ab dem Frühjahr 2019 sind in den zwei selbstfahrenden Bussen mit jeweils einem Operator an Bord dann auch Fahrgäste erlaubt. Dabei wird ein Testlinienbetrieb mit Haltestellen entlang einer vordefinierten Linien erprobt.

Da es sich bei den zwei autonomen Bussen um ein reines Forschungsprojekt und keinen klassischen Linienbetrieb handelt, müssen die Fahrgäste aufgrund herrschender Gesetze einige Details beachten: Um das Fahrgeschehen zu überwachen und bei Bedarf eingreifen zu können, wird bei jeder Fahrt geschultes Personal, ein Operator, an Bord sein. Für den Operator steht einer der insgesamt elf Plätze zur Verfügung, deshalb können insgesamt zehn Fahrgäste gleichzeitig transportiert werden. Sobald alle Plätze besetzt sind, darf kein weiterer Fahrgast mehr aufgenommen werden. Ist auf der Teststrecke aus technischen, betrieblichen oder wetterbedingten Gründen kein Betrieb möglich, wird kein Ersatzverkehr zur Verfügung gestellt.

Infos zum auto.Bus – Seestadt 

  • Anzahl Fahrzeuge: 2 Stück
  • Projektvolumen: Rund 1,5 Millionen Euro
  • Länge / Breite / Höhe: 4,75 Meter / 2,11 Meter / 2,65 Meter
  • Kapazität: 11 Fahrgäste (inkl. 1 Operator)
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h (im automatisierten Betrieb)
  • Maximale Laufzeit: 9 Stunden
  • Durchschnittliche Ladezeit: 4 bis 8 Stunden
  • Geplante Teststrecke ab Herbst 2018: 2 Kilometer rund um die U2-Station Seestadt

2016 wurde der erste Aktionsplan zum automatisierten Fahren in Österreich vom BMVIT veröffentlicht. Vieles aus dem bisherigen Aktionsplan konnte in den letzten zwei Jahren bereits umgesetzt werden. Es wurden erste rechtliche Rahmenbedingungen für das Testen von automatisierten Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen in Österreich geschaffen, Testumgebungen etabliert und Leitprojekte initiiert. Nun ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen. Daher soll im Herbst 2018 das neue Aktionspaket automatisierte Mobilität – „AUTOMATISIERT – VERNETZT – ELEKTRISCH – MOBIL“ vorgestellt werden. Es soll weitere mittel- bis langfristigen Maßnahmen im Bereich des automatisierten Fahrens in Österreich definieren und legt dabei einen besonderen Wert auf einen verkehrlich sinnvollen Einsatz dieser Technologie.

Die wichtigsten Fragen & Antworten zum Automatisierten Fahren.

Automatisiertes Fahren kann für mehr Verkehrssicherheit sorgen und ist zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: In Österreich arbeiten rund 800 Unternehmen in der Automobilbranche und bieten etwa 70.000 Menschen Arbeitsplätze. Schon jetzt sind die österreichischen Autozulieferbetriebe in vielen Bereichen des automatisierten Fahrens international gefragt. Damit das so bleibt, hat das B;VIT den Aktionsplan Automatisiertes Fahren entwickelt und investiert in Summe 20 Millionen Euro in Testumgebungen und Technologieentwicklung.