Kategorie Innovation & Technologie - 3. February 2017

Industrie 4.0: Neue Qualifikationen und Aufgaben

Digitalisierung und Vernetzung schreitet im Alltag mit rasanter Geschwindigkeit voran. Mit dem Smartphone kann man rund um die Uhr und an jedem Ort online sein und selbst das Eigenheim lässt sich beispielsweise aus der Ferne überwachen und steuern (Stichwort: Smart Home). Vor der Industrie macht die Digitalisierung ebenfalls nicht Halt und es ist schon seit längerer Zeit von einer neuerlichen „industriellen Revolution“ – hin zur Industrie 4.0 – die Rede.

Klassische Produktion verschmilzt mit digitalen Technologien. Menschen, Werkstoffe, Produkte und Maschinen kommunizieren in komplexen Systemen miteinander: Eine holzverarbeitende Maschine bestellt Holz, ohne dass der Mensch eingreifen muss. Ein Auto weiß, mit welchen Extras es bestellt wurde, und baut sich so zu einem gewissen Grad selbst zusammen. Eine Sorge der Menschen: Die intelligenten Maschinen könnten sie ersetzen. Das soll nicht der Fall sein, aber die tägliche Arbeit wird sich verändern.

Bei monotonen oder körperlich anstrengenden Arbeiten werden die Arbeiterinnen und Arbeiter noch stärker von den Maschinen unterstützt werden. Die Rolle des Menschen wird sich in den Fabriken der Zukunft auf die Bereiche Kontrolle, Planung, Instandhaltung und Prozesssteuerung verlagern. Dadurch entstehen auch neue Berufsbilder und Chancen für kreative Unternehmen.

Es entstehen aber auch neue Anforderungen im Bereich Qualifikationen und Weiterbildung. In welchen Bereichen Unternehmen und auch Expertinnen und Experten Qualifizierungsbedarf sehen, zeigt eine aktuelle Studie auf. Es wurde untersucht, welche Weiterbildungsangebote für Unternehmen wichtig sind, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich auf die „Industrie 4.0“ vorzubereiten.

Kompetenzen & Empfehlungen

„Leicht automatisierbare“ Routinetätigkeiten werden in der Zukunft wegfallen, aber es werden neue Aufgaben hinzukommen. Damit können sich sowohl bestehende Berufe ändern also auch neue Berufsbilder entstehen.

Körperkraft wird in der Produktion immer weniger Bedeutung haben. Dadurch erwarten die Befragten einen steigenden Frauenanteil in den Betrieben. Unternehmen sind auch gefordert, gezielte betriebliche Maßnahmen zu setzen z.B. im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Faktenblatt: „Qualifizierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Einführung von Industrie 4.0“

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Außerdem ist immer wieder von erforderlichen zusätzlichen Kompetenzen die Rede, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. „Kompetenz“ bedeutet für die Befragten nicht nur die formale Qualifikation, sondern gerade auch die Fähigkeit zur Selbstorganisation, Lernbereitschaft und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Viele der für Industrie 4.0 wichtigen Kompetenzen können ihrer Ansicht nach direkt im Arbeitsalltag erlernt werden. Digitale Kompetenzen sind je nach Position und Aufgabengebiet unterschiedlich erforderlich. Das Bedienen eines Touchscreen oder einer Computermaus ist aber Grundvoraussetzung.

Digitalisierung muss in Zukunft noch stärker Einzug in die Berufsschulen, um Lehrlinge besser auf die Anforderungen der Unternehmen vorzubereiten. Im Bereich von Universitäten und Fachhochschulen ist es wichtig, Ausbildung und Praxis nebeneinander ablaufen zu lassen.

Förderprogramm „Fit 4 4“

Vor allem einfache Routinetätigkeiten werden durch die Digitalisierung wegfallen. Mit „Fit 4 4“ fördert das Infrastrukturministerium (bmvit) Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Betroffene in Klein- und Mittelunternehmen. Herzstück des Projektes ist die Fortbildung direkt im Betrieb, auch Datenbrillen für Trainings in der Virtuellen Realität werden zum Einsatz kommen. Das Projekt startet im Herbst 2017

INFObox: Die Austria Wirtschaftsservice GmbH hat die Studie in Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) und der Arbeiterkammer Wien (AK) in Auftrag gegeben. Den Auftrag zur Durchführung erhielt die Prospect Unternehmensberatung GmbH. Im ersten Halbjahr 2016 befragten die StudienautorInnen in leitfadengestützten Interviews und Workshops insgesamt elf GeschäftsführerInnen und Personalverantwortliche, sieben BetriebsrätInnen und acht ArbeitsexpertInnen.