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Kategorie Verkehr - 24. Februar 2020

Kombinierter Verkehr: Gütertransport auf die richtige Schiene setzen

Ist er die Alternative zur Bewältigung der wachsenden europäischen Güterverkehrsströme? Kombinierter Verkehr: Er verbinde das Beste aus zwei Welten, scheint es. Best of both Worlds sozusagen. Der Kombinierte Verkehr verbindet die Stärken der Straße mit jenen von Schiene und Binnenschiff. So wird eine Verlagerung im Güterverkehr – weg von der Straße hin zu Schiene oder Binnenschifffahrt – über weite Strecken erreicht. Eine erhebliche Reduktion der CO2-Emissionen könnte daraus resultieren. Weitere Vorteile liegen auf der Hand.

Container Terminal in Lübeck. © apa

Die intelligente Kombination dieser einzelnen Verkehrsträger ermöglicht effizient gebündelte Güterströme und bevorzugt umweltverträgliche Transportmittel zur Bewältigung eines rapid steigenden Transport-Aufkommens. Prognosen für Europa gehen von einer Zunahme der Nachfrage im Güterverkehr von insgesamt 30 Prozent bis zum Jahr 2030 aus. Unmöglich, diese zusätzlichen Güterverkehrsströme mit Lkw zu transportieren.

Angesichts der Herausforderungen für Österreich in Folge der globalen Klimakrise ist es wichtiger denn je, Güter als Teil des Wirtschaftskreislaufes ökosozial zu transportieren. Der wesentliche Hebel, um die Emissionen des Güterverkehrs im nötigen Ausmaß reduzieren zu können, besteht in der Veränderung des Modal Splits hin zu klimaverträglicheren Transportmodi, also in der Verlagerung auf Bahn und Binnenschiff.

Der Güterverkehr ist eine komplexe Materie mit vielen Beteiligten und noch mehr logistischen Anforderungen und Prozessen. Diskussionen entzünden sich in erster Linie meist an den ebenfalls steigenden Emissionen im Verkehrssektor und wie der CO2-Austoß trotz höherer Transportaufkommen gesenkt werden kann. Es geht in diesem Komplex aber auch um sinnvoll verteilte Logistik-Hubs, entsprechende Logistikflächen, die Vermeidung von Fehl- und Leerfahrten durch ineffiziente Planung sowie daraus entstehende Belastungen für den Gesamtverkehr.

Präzedenzfall Tirol

Dieses Problem tritt besonders auf den vielfrequentierten Transitstrecken in Österreich zu Tage. Gerade in Tirol sorgt der Güterverkehr seit Jahren für hitzige Debatten über die Grenzen hinaus. Der Brenner ist hier im Vergleich zu anderen alpenquerenden Pässen nach wie vor eine der am stärksten belastete Strecke. Hier kommen sektorale Fahrverbote und Blockabfertigungen für Lkw als Notmaßnahmen zum Einsatz, um Verkehrs- und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Gerade in kritischen Gebieten wie in Tirol kann über den kombinierten Verkehr eine Entlastung der Straßen und eine ausgewogenere Nutzung bestehender Infrastrukturen erreicht werden. Doch was meint Kombinierter Verkehr eigentlich im Detail und was gibt es für Möglichkeiten, diesen in Österreich langfristig zu fördern?

© ÖBB Rail Cargo Group

Per Definition beschreibt der Kombinierte Verkehr eine mehrgliedrige Transportkette, die unterschiedliche Verkehrszweige integriert und den Transport von Gütern in ein und derselben Ladeeinheit oder demselben Straßenfahrzeug mit zwei oder mehreren Verkehrsträgern beschreibt, wobei ein Wechsel der Ladeeinheit, aber kein Umschlag der transportierten Güter selbst erfolgt. Die Europäischen Verkehrsministerkonferenz subsumiert Kombinierten Verkehr also unter dem Stichwort Intermodalen Verkehr, präzisiert für den Kombinerten Verkehr jedoch, dass der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten werden soll.

Die Stärken von Eisenbahn-, Binnenschiff- und Seeschiffverkehr entfalten sich vor allem auf relativ großen Distanzen und bei hoher Güterverkehrsleistung. Sie lassen sich damit perfekt mit dem zeitlich und räumlich flexiblem Lkw-Verkehr kombinieren, der die kleinräumige Verteilung – Vor- und Nachlauf – übernimmt.

Ein solch Kombinierter Verkehr hat sich binnen 13 Jahren in Österreich nahezu verdoppelt, auf zuletzt 38 Prozent des gesamten Schienengüterverkehrs. Eine positive Entwicklung, die zeigt, dass es durchaus lohnt, den Kombinierten Verkehr als modernes Transportsystem weiter auszubauen. Zumal hier auch laufend neue Techniken entwickelt werden und Innovationen gerade im Bereich bei Verkehrsträgern und Umschlagplätzen direkt helfen sowohl die Wettbewerbsfähigkeit des Kombinierten Verkehrs zu stärken, als auch die verbleibenden Umweltauswirkungen weiter zu reduzieren.

Im Bereich des Schienengüterverkehrs ist der Kombinierte Verkehr ein Innovationstreiber und schafft daher auch notwendige Voraussetzungen, um die Qualität des Wirtschaftsstandortes Österreich nachhaltig zu sichern und die Wertschöpfung des Logistiksektors zu steigern.

Kampagne zum Kombiverkehr

Es ist längst erklärtes Ziel der österreichischen Verkehrspolitik, den vergleichsweise hohen Anteil der Schiene am Güterverkehr im Land von rund 30 Prozent weiter zu steigern. Eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene ist ein entscheidender Schritt, um die Klimaverträglichkeit des Güterverkehrs zu verbessern. Der Kombinierte Verkehr ist daher einer der zentralen Ansätze zur Lösung jener Probleme, die durch die geographische und topographische Situation Österreichs im Bereich des Straßengüterverkehrs entstehen.

Die Rollende Landstraße (kurz RoLa) ist ein Transportsystem für den begleiteten kombinierten Verkehr auf der Schiene bzw. ein spezieller Zug, bei dem komplette Lastwagen bzw. Sattelzüge per Bahn befördert werden. Die dazu verwendeten kurzgekuppelten Niederflurwagen haben durchgängig über den ganzen Zug hinweglaufende Fahrspuren. Die Fahrer sind während der Fahrt in zusätzlich angehängten Begleitwagen (Sitz- oder Liegewagen) untergebracht. An den Endpunkten der Verbindungen befinden sich spezielle Laderampen, um die Lkw einfach be- und entladen zu können.

Die Klimaziele verpflichten die Transportbranche, ihre derzeitigen CO2-Emissionen bis 2030 um 25 Prozent zu reduzieren. Der Schienengüterverkehr ist in Bezug auf die CO2-Emissionen bis zu 9x effizienter als der Straßengüterverkehr. Die Ausbaustrategie für die Entwicklung der Bahninfrastruktur 2025+ könnte nach der Fertigstellung von Neubauachsen den Anteil der Schiene am Güterverkehr auf 40 Prozent hochschrauben.

Neben massiven Investitionen in die Schieneninfrastruktur – 13,9 Milliarden Euro sind im Rahmenplan 2018-2023 für den Bahnausbau vorgesehen – hat das BMK schon frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um umweltfreundliche Verkehrsarten wie den Kombinierten Verkehr zu fördern. Diese Maßnahmen umfassen neben ordnungspolitischen Erleichterungen (Liberalisierungen, wie Ausnahmen von temporären Fahrverboten für Vor- und Nachlauf, erhöhtes Maximalgewicht der Lkw von 44 Tonnen, Befreiung der ausschließlich für Vor- und Nachlauf eingesetzten Fahrzeuge von der Kfz-Steuer) auch konkrete finanzielle Förderungen insbesondere im Bereich der Errichtung von Umschlagterminals.

© BMK

Solche Förderungen reichen von Investitionsbeihilfen zur Finanzierung der Terminalinfrastruktur und zur Anschaffung geeigneter Transportgeräte für den Kombinierten Verkehr (insbesondere Binnen- bzw. Landcontainer sowie Spezialfahrzeuge und -behälter für den Kombinierten Verkehr) bis hin zur Durchführung von Machbarkeitsstudien für konkrete Durchführungsmaßnahmen sowie externe Ausbildungskosten für Einschulungen in spezifische EDV-Systeme oder Techniken.

So hat das Innovationsförderprogramm Kombinierter Verkehr des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) das Ziel, die speziellen Anforderungen und Ausstattungen, die diese Verkehrsart mit sich bringt, durch staatliche Hilfestellung zur Aktivierung der privaten Investitionstätigkeit auszugleichen.

Gefördert werden auch jene Produktionsformen, durch die bereits bisher ein großer Anteil an umweltfreundlichen Schienengüterverkehrsleistungen in Österreich erbracht wurde.
Es handelt sich hierbei um Förderungen für Schienengüterverkehrsleistungen in Form von Einzelwagenverkehr (EWV), unbegleiteter Kombinierter Verkehr (UKV) und der Rollenden Landstraße (RoLa) auf Basis jährlicher Verträge zwischen Bund und den Verkehrsunternehmen. Für diese drei Produktionsformen des Schienengüterverkehrs stehen pro Jahr etwa 120 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung.

Beim UKV wird die Beihilfe je Sendung gewährt, wobei die Beihilfensätze nach Art des Verkehrs (national, bilateral, Transit), nach Behältergröße und Gewicht sowie nach der in Österreich zurückgelegten Entfernung auf dem Schienennetz gestaffelt sind. Bei der RoLa wird je nach Verkehrsachse ein bestimmter Beihilfensatz pro beförderten Lkw gewährt.

Im Rahmen der Logistikförderung des BMK werden zudem Studien zur Entwicklung innovativer Lösungen im Bereich Güterverkehr und Logistik sowie Umsetzungsprojekte in diesem Bereich unterstützt.

Aktuell gibt es auf Initative des BMK eine Awareness-Offensive zum Kombinierten Verkehr in Österreich mit Aktionstagen Kombinierter Verkehr in allen Bundesländern. Dort gibt es die Möglichkeit, sich über Bedeutung und Trends des Kombinierten Verkehrs verbunden mit bestehenden Fördermöglichkeiten zu informieren sowie mit Expertinnen und Experten aus Politik und Wirtschaft zusammenzukommen.

Eine wichtige Kampagne, wenn man bedankt, welches Potential eine Kombination der Verkehrsträger für zahlreiche Unternehmen darstellt, um ihre gesamte Logistik effizienter und ökologischer zu gestalten und dabei die Wettbewerbsfähigkeit zu wahren. Der nächste Aktionstag des BMK findet am 10. März in Salzburg statt, im Anschluss an die Veranstaltung findet seitens der ÖBB eine Live-Demonstration am Mobiler, der Umschlagsanlage des kombinierten Ladungsverkehrs im Container-Terminal Salzburg, statt.

RoLa-Aufschwung bei ÖBB

Unterdessen haben die ÖBB mitgeteilt, dass die Rollende Landstraße in Tirol von Jahresbeginn bis 15. Februar 2020 im Vergleich zum selben Zeitraum 2019 ein Lkw-Plus von 32 Prozent vorzuweisen. Während 2019 in diesen Wochen insgesamt 16.165 Lkw auf der Schiene transportiert wurden, waren es heuer bereits 21.394.

Bernhard Ebner, Business Unit Manager Intermodal ÖBB-RCG, sah die Zukunft der Tiroler RoLa rosig. „Seit Jahresbeginn bietet die ÖBB 46 Züge auf der Brennerachse an, das sind um sechs mehr Züge als noch im Jahr 2019“, untermauerte er seinen positiven Ausblick. Damit stehe seit Beginn des Jahres eine Kapazität von 250.000 Lkw zur Verfügung, die im Laufe des Jahres auf 400.000 Lkw gesteigert werden solle, so Ebner. Bei voller Auslastung bedeute das „täglich rund 1.000 Lkw weniger auf der Autobahn“, so der ÖBB-Manager.

Die größte Bedeutung kommt der Rollenden Landstraße so im Bundesland Tirol zu, das vom Lastkraftwagen‐Transitverkehr am stärksten betroffen ist. Für zahlreiche Unternehmen stellt die Rollende Landstraße im Vergleich zum reinen Straßengüterverkehr eine zeit‐ und ressourcensparende Möglichkeit dar, um die Fracht fristgerecht ans Ziel zu bringen und dabei die Umwelt zu schonen.

Freilich zählen zu den vielen Maßnahmen der Ökologisierung des Transportsystems neben der Verlagerung auf vorhandene, klimaverträgliche Transportarten, so weit es geht auch die Transportvermeidung, beispielsweise durch entsprechende Raumplanungskonzepte. Fakt ist aber auch, dass der Kombinierte Verkehr als Option abseits des reinen Straßengüterverkehr eine wesentliche Rolle spielen muss, auch um notwendige Emissionseinsparungen zu erreichen. Denn letzlich sind es neue, umwelt- und ressourcenschonende Technologien, die trotz der Wachstumsprogonsen des globalen Güterverkehrs die Umweltbilanz von nicht vermeidbaren oder schwer verlagerbaren Güterverkehren verbessern.

Service: Weiterführende Infos rund um den Kombinierten Verkehr.