Kategorie Innovation & Technologie - 13. Mai 2019

Mission Innovation: Für die Energiewende vom Burgenland in die weite Welt

Regenerative Energiequellen, aus Wind- oder Sonne gespeist, könnten einer Studie zufolge bis 2050 den weltweiten Strombedarf weitgehend decken. Obwohl die Elektrifizierung von Sektoren wie dem Verkehr aus Klimaschutzgründen schnell vorangehen müsse, könnten in 30 Jahren 86 Prozent des nötigen Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der International Renewable Energy Agency (IRENA).

Warten globale Sonnenseiten der Energiewende auf uns? In Österreich war es zunächst der Kälteeinbruch im Mai, der dabei half, einen Rekord in der heimischen Windstromerzeugung aufzustellen: Am Sonntag, 5. Mai, konnte per Windkraft erstmals 46 Prozent des gesamten Stromverbrauchs gedeckt werden – die höchste je in Österreich gemessene Windstromerzeugung an einem Tag, wie die IG Windkraft in einer Aussendung bestätigte. Was aber folgt auf diesen windkräftigen Höhepunkt?

Erfolge der Energieforschung

Just in der darauffolgenden Woche, vom 6. bis 10. Mai war der Blick im Burgenland (Landesmotto: Die Sonnenseite Österreichs) ganz auf die globale Energie-Zukunft gerichtet: Bei der ersten Mission Innovation Austria Week (MIA19) trafen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um Forschungsergebnisse und Projektvorhaben rund um Energiethemen vorzustellen und politische Rahmenbedingungen für die Energiewende zu diskutieren.

© BMVIT

In den südburgenländischen Gemeinden Stegersbach und Oberwart wurde die Konferenz vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), dem Klima- und Energiefonds und dem Innovationslabor Act4Energy veranstaltet.

Erst seit letztem Jahr ist Österreich als jüngstes Mitglied des Netzwerks Mission Innovation im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel unterwegs. Im Verbund mit 23 Staaten und der Europäischen Union ist das Ziel dieser internationalen Initiative, gemeinsam mit privaten Investorinnen und Investoren die Entwicklung sauberer Energietechnologien voranzutreiben. Koordiniert durch das BMVIT soll der Schlüssel zum Erfolg eine enge Kooperation der öffentlichen Hand mit der privaten Wirtschaft sein und so eine möglichst effiziente Umsetzung aller Projekte garantieren.

Was ist neben dem Ausbau der CO2-freien Stromerzeugung nötig? Wie sind Speicher und Netze effizient aus- und umzubauen und wie lassen sich neue Technologien in die Energiesysteme integrieren?

Grundlagen zur Beantwortung dieser Fragen bildeten aktuelle Ergebnisse der Mission Innovation, dem europäischen SET-Plan, den Technologiekooperationen der Internationalen Energieagentur sowie jenen des BMVIT, die über den Klima- und Energiefonds umgesetzt werden.

Ein Schwerpunkt der Tagung, die sich in einen Technologie- und einen Konferenz-Teil splittete: Österreichs Energietechnologien für den Weltmarkt und entsprechende Lösungen für eine globale Energiewende. Während die ersten drei Tage der Veranstaltung unter dem Titel Future and Innovation Days den technologischen Innovationen und Forschungsergebnissen aus ganz Österreich gewidmet waren, geht es nun bei den Conference Days um die politische und wirtschaftliche Dimension der Energiewende. Mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei.

© Christian Spanik

In interaktiven Veranstaltungsformaten wurden die Potenziale österreichischer Innovationen auf den internationalen Märkten und deren Beitrag zur Erreichung der Ziele der österreichischen Klima-und Energiestrategie #mission2030 ausgelotet. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Industrie, aus den Regionen und Städten wurden Möglichkeiten der beispielgebenden Umsetzung neuer Lösungen erörtert. Eine Leistungsschau der heimischen Energieforschung, zahlreicher StartUps und internationaler Vorzeigeprojekte.

Themen wie Eigenverbrauch von Solarstrom, Local Energy Communities und kommunale Beiträge zur Energiewende beleuchteten die Rolle regionaler Praktiken und Handlungsmöglichkeiten. In Deep Dive Sessions wurden durch Expertinnen und Experten Stand der Technik präsentiert und in kleinen Gruppen Fragestellungen der Energie-Zukunft mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert. Daneben wurden in Workshops und allgegenwärtigen Pitches Innovationskraft und Erfolgschancen von Start-Ups sowie die Erfolgsrezepte von Scale-Ups erläutert.

Auch im Bereich Energie ganz  vorn dabei: Die Digitalisierung. Behandelt wurden so die rasch voranschreitende Künstliche-Intelligenz-Forschung und ihre Anwendungsmöglichkeiten im Energiebereich, ebenso wie Blockchain-Technologien, 5G und zukünftige Telekommunikationsstandards. Aktivitäten rund um erneuerbaren Wasserstoff oder die Systemintegration von Elektromobilität waren ebenfalls gewichtige Themen. Die Ergebnisse wird Bundesminister Hofer zum Mission Innovation Ministergipfel, der Ende Mai in Vancouver stattfindet, mitnehmen.

Per Sonderzug in die Energiezukunft

Zur Eröffnung der der Conference Days kam Hofer mit dem Zug nach Oberwart. Mit dem ÖBB Mission Innovation Austria Sonderzug SR 14439 ging es am 9. Mai direkt von Friedberg nach Oberwart. Die seit Jahren dem Güterverkehr vorbehaltene, historische Strecke der Pinkatalbahn steht dabei ebenfalls für Innovation Made in Burgenland und wird künftig als Teststrecke unter anderem für selbstfahrende Züge dienen. Extra für die MIA19 wurde der Sonderzug des ÖBB Open Rail Lab für die einmalige Konferenzanreise aktiviert.

 

„Unser erstes Projekt wird eine neue Regionalbahn-Technik sein. Wie können wir ohne Signal, mit modernsten Mitteln, wie Blockchain, 5G und so weiter, alles was modern ist, einfach eine moderne zukunftsträchtige Zugführung zusammenbekommen“, verriet ÖBB-Infrastruktur-Vorstand Johann Pluy während der Fahrt nach Oberwart über das in Europa einzigartige Pilotprojekt.

Nach der Zugfahrt ging es ins Messezentrum Oberwart, wo die Konferenz offiziell eröffnet wurde. Hofer zeigte sich hocherfreut angesichts der produktiven und kooperativen Stimmung: „Mit der Mission Innovation Austria Week 2019 ist es uns einmal mehr gelungen zu zeigen, dass Österreich schon heute ein Energieinnovationsland ist. Was uns dabei so erfolgreich macht ist die starke Partnerschaft aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Ich freue mich auf die Ergebnisse dieser Veranstaltung, die ich Ende Mai mit Stolz beim Mission Innovation Ministergipfel in Vancouver präsentieren werde.“

„Die Umsetzung der Energiewende ist herausfordernd und kann daher nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen. In Österreich geschieht dies beispielsweise bereits bei der Innovationsinitiative ‚Vorzeigeregion Energie‘ des Klima- und Energiefonds. Hier werden Musterlösungen für intelligente, sichere und leistbare Energie- und Verkehrssysteme der Zukunft entwickelt und demonstriert. Dies ermöglicht nicht nur technische Innovationen, sondern stärkt auch die Position österreichischer Unternehmen am Weltmarkt“, so Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima-und Energiefonds.

© BMVIT

Die Vorzeigeregionen Energie seien Österreichs Eintrittskarte zur Mission Innovation. „Wir haben ein erfolgreiches Programm aufgesetzt – mehr als 200 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft geben uns Recht. Und wir haben einen gewaltigen Hebel Richtung Zukunft: 400 Millionen Investitionsvolumen aller relevanten österreichischen Industrieplayer!“, ergänzt Theresia Vogel beeindruckende Zahlen der österreichischen Energieforschung.

Auch Klaus Pseiner, Geschäftsführer der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG ist absolut guter Dinge, was Österreichs Beitrag zur Mission Innovation angeht. Österreich bringe sich seit Anbeginn an aktiv in das Netzwerk ein. „Mit der von der FFG gemeinsam mit dem BMVIT koordinierten Joint Programming Platform Smart Energy Systems haben wir eine europaweit vorbildhafte und international beachtete Kooperationsinitiative mit 30 öffentlichen Förderpartnern aus 23 Ländern aufgebaut. Beim Ministertreffen in Vancouver wird Österreich gemeinsam mit Schweden neue Förderpartner unter anderem aus Indien, China und Marokko einladen, um die erste multilaterale Ausschreibung im Rahmen von Mission Innovation zu starten“, so Pseiner zu den nächsten Schritten.

Höchst zufrieden zeigten sich auch die Veranstalter von Seiten des Ministeriums. Michael Paula, Leiter der Abteilung Energie- und Umwelttechnologien im BMVIT: „Die erste Mission Innovation Austria Week war ein voller Erfolg! Insgesamt kamen zwischen 6. und 10. Mai mehr als 400 Menschen aus 16 Nationen in die Innovationsregion Stegersbach und Oberwart, um Zukunftsfragen der Energie zu diskutieren. Die in der Region realisierten Erfolgsprojekte und die Ergebnisse der Veranstaltung sind eine wertvolle Basis für Österreichs Auftritt beim Mission Innovation Ministergipfel in Vancouver.“

Lob von höchster Stelle kam von Patrick Child, stellvertretender Generalsekretär für Forschung, Wissenschaft und Innovation der EU-Kommission und Präsidiumsvorsitzender Mission Innovation. Er sprach auf Twitter von einer „beeindruckende Mobilisierung der österreichischen Innovationsgemeinschaft für saubere Energie“.

Bemerkenswert außerdem: Im österreichischen Energiemanagement ist eine Gruppe von Frauen besonders aktiv, die auf der MIA19 nicht nur mit der ersten Women Reception, sondern auch mit zahlreichen Vorträgen sowie der Leitung von Panels und Diskussionsrunden während der ganzen Woche präsent war. Neben der Geschäftsführerin des Klimafonds Theresia Vogel zählen dazu Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie sowie Hemma Bieser, die mit avantsmart seit Jahren die Energiewende in Österreich mitgestaltet und Start-ups für den Energiemarkt der Zukunft berät und begeleitet.

Auf der von Sabine Mitter, im BMVIT für das Forschungsprogramm IEA Forschungs­kooperationen verantwortlich, geleiteten Reception waren neben den Genannten auch noch die Expertinnen Karin Fleck, Professional Women’s Network Vienna, Michaela Leonhardt, femOVE – Frauen in der Elektrotechnik, Christine Meissl, Women in Clean Energy TCP und Susanne Wolf-Eberl, vom Netzwerk WIMEN auf der Bühne.

Aus Österreich auf den Weltmarkt

Nicht mehr wegzudenken sind die Vorzeigeregionen Energie, geht es in Österreich um die Energiewende, also den für den Wirtschaftsstandort umfassenden Umbau des Energiesystems, der Infrastruktur und der Produktionsprozesse. In diesen großangelegten Reallaboren werden mit innovativen Energietechnologien aus Österreich Musterlösungen für intelligente, sichere und klimaverträgliche Energie und Mobilität der Zukunft entwickelt und demonstriert.

„Bis 2021 werden bis zu 120 Millionen Euro Förderbudget des Klima- und Energiefonds in drei Vorzeigeregionen investiert. Über 200 Projektpartner, Unternehmen, Industriebetriebe und Forschungseinrichtungen, arbeiten an der Energiezukunft und werden Österreich international als Energieinnovationsland positionieren“, zeigt sich Hofer über das Wirkungsfeld des Klimafonds erfreut.

Auch Theresia Vogel hat konkrete Ziele fest im Blick: „Unser zentrales Anliegen ist es, innovationsgetriebene österreichische Unternehmen am Weg in die Dekarbonisierung zu begleiten und die richtigen Impulse für die Transformation zu setzen. Mit der Umsetzung der drei Vorzeigeregionen schlagen wir einen zukunftsorientierten Weg in Richtung innovativer, sicherer und klimaverträglicher Energie und Mobilität ein.“

Ein gehöriger Teil der österreichischen Vorzeigeregionen sind die Green Energy Labs. Darin entwickeln und testen mehr als 100 Partner aus Forschung, Wirtschaft und der öffentlichen Hand gemeinsam mit den vier Landesenergieversorgern Energie Burgenland, Energie Steiermark, EVN und Wien Energie nachhaltige Energielösungen. Insgesamt 100 Millionen Euro sollen bis 2025 in innovative Projekte investiert werden.

Mehr als 50 Prozent der bis dato zugesagten Fördergelder gehen in die Region der EnergieAllianz Austria – nach Burgenland, Niederösterreich und Wien –, der Rest in die Steiermark. Die vielfältigen Themen reichen von der CO2-Emissionsreduktion im Fernwärmesektor über die Nutzbarkeit von gebrauchten E-Auto-Batterien als Speichermodule bis hin zur optimierten Verteilung von Netzressourcen. An sieben Projekten mit vielfältigen Demonstrationsstandorten wird bereits gearbeitet: ThermaFlex“, SecondLife Batteries, Blockchain Grid, Spatial Energy Planning, Open Data Plattform, Heat Water Storage Pooling und Hybrid DH DEMO.

MIA Awards

Vergeben wurden während der MIA19 auch die Mission Innovation Austria Awards 2019. Sie wurden in folgenden vier Kategorien verliehen:

  • „Next Generation“ für akademisch-wissenschaftliche Arbeiten
  • „Tech Solution“ für angewandte Forschung und Entwicklung
  • „Local Hero“ für Pilot- und Demonstrationsvorhaben
  • „Entrepreneur“ für Start-ups

INFObox: Die Energiewende ist der Weg in eine Zukunft mit nachhaltigen Energiequellen hin zu einer kohlenstoffarmen Industriegesellschaft. Der Ausbau der Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien, der intelligenten Netze sowie der Energiespeicher sind dabei die zentralen Handlungsfelder der Energiewende, Das BMVIT untertsützt diese Transformation auch durch die geförderten Projekte des Klima- und Energiefonds mit den Vorzeigeregion Energie sowie die österreichischen Aktivitäten im Rahmen der globalen Initiative Mission Innovation und nimmt jährlich rund 100 Millionen Euro für die Energieforschung in die Hand.