Kategorie Innovation & Technologie - 14. November 2019

E-Mobilität: Online-Verzeichnis zeigt alle Stromtankstellen

Neues Tool zeigt E-Autofahrenden den nächsten öffentlichen Standort, Leistung und Stecker-Art für das Laden ihres E-Autos

Der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen in Österreich steigt weiter an. Allein dieses Jahr sind bis Oktober 2019 7.898 vollelektrische E-Autos hinzugekommen, um 48,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2018. Und diese Zahlen sollen weiter steigen. Damit steigt aber auch der Bedarf an öffentlich zugänglichen Stromtankstellen. Wo sich solche befinden, lässt sich nun recht einfach online herausfinden. Die Energieregulierungsbehörde E-Control hat nun ein Online-Ladestellenverzeichnis entwickelt, das Autofahrenden den nächsten öffentlichen Standort, die Ladeleistung und die Stecker-Art für das Laden ihres E-Autos zeigt.

Präsentiert wurde es von Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek, Verkehrsminister Andreas Reichhardt und E-Control Vorstand Wolfgang Urbantschitsch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch, 14. November 2019 im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Damit E-Autos eine alltagstaugliche Alternative werden, ist eine flächendeckende Infrastruktur notwendig. Mit dem neuen Online-Ladestellenverzeichnis soll nun ein weiterer Schritt gesetzt werden, um die Nutzung von Elektroautos weiter attraktiver zu machen. Das Tool findet nach Eingabe des aktuellen Standortes zunächst die zehn nächstgelegenen Ladestellen. Diese werden sowohl auf einer Karte angezeigt als auch in einer Liste.

Das online abrufbare Tool basiert auf einer EU-Vorgabe, die eine gesetzliche Meldeverpflichtung an die E-Control aller in Österreich öffentlich zugänglichen Ladestellen vorsieht. Ganz im Sinne von open data sind die Daten des Ladestellenverzeichnisses für jeden zugänglich und weiterverwertbar.

© BMNT/Gruber

In Summe gab es hierzulande bis zum Ende des dritten Quartals rund 3.700 Normalladepunkte (bis 22kW) und etwa 530 Schnellladepunkte (ab 22kW). Im Online-Verzeichnis sind momentan rund 1.780 Ladestellen abgebildet. Zur Erklärung: Eine Ladestelle kann gleich mehrere Ladepunkte enthalten – vergleichbar mit einer Tankstelle, die mehrere Zapfsäulen hat.

93 Millionen Euro für die E-Mobilität

„E-Mobilität ist ein wesentlicher Baustein zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und zur Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“, sagte Umweltministerin Maria Patek. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 36 Prozent gegenüber 2005 auf 15,7 Millionen Tonnen CO2 reduziert werden – freilich aber nicht nur über E-Autos.

„E-Mobilität ist in der Gesellschaft angekommen, nicht zuletzt auf Grund der zahlreichen Maßnahmenbündel der Bundesregierung wie etwa die Auslobung von Förderungen. So beträgt das Gesamtvolumen der E-Mobilitätsoffensive in den Jahren 2019 und 2020 93 Millionen Euro. Der Anteil der E-Fahrzeuge an den Neuzulassungen betrug im September 2019 bereits 5,38 Prozent und war damit so hoch wie nie. Um weiter Anreize auf den Umstieg zu schaffen, arbeiten wir intensiv am Ausbau der Infrastruktur, der sich durchaus ebenfalls sehen lassen kann“, so Verkehrsminister Andreas Reichhardt. Das heute präsentierte Online-Ladestellenverzeichnis würde die Akzeptanz in der Bevölkerung nochmals erhöhen.

Im 93 Millionen Euro umfasenden E-Mobilitätspaket der kommenden zwei Jahre sind auch die Förderungen von Heimladestationen mit 400 Euro sowie Ankäufe von E-Autos mit 3.000 Euro inkludiert. Laut Daten der austriatech gab es per September in Österreich fast 35.000 E-Fahrzeuge (Elektro, Plug-In Hybrid und Wasserstoff) sowie 27.888 reine Elektro-Autos. Im zehn Mal größeren Deutschland würden derzeit nur 85.000 bis 90.000 E-Autos fahren, so Verkehrsminister Andreas Reichhardt.

„Das Ladestellenverzeichnis wird auch allen Betreibern von Ladestellen zu Gute kommen und für mehr Transparenz in diesem Bereich sorgen“, erläutert E-Control Vorstand Wolfgang Urbantschitsch und weist ausdrücklich auf die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit den Ladestellenbetreibern und ihren jeweiligen IT-Dienstleistern im Zuge der Erstellung des Ladestellenverzeichnisses hin. „Wir freuen uns, mit der neuen Applikation einen Dienst zur Verfügung stellen zu können, der auch aus der Branche selbst begrüßt und sogar bereits erwartet wurde. In diesem Sinne werden wir auch jetzt unmittelbar nach dem Livegang die weitere Entwicklung und den Ausbau des Tools angehen“, kündigte Urbantschitsch das weitere Vorgehen an.

© Klimafonds

Zudem erläuterte er die Funktionsweise des Tools: „Ähnlich wie der bewährte Spritpreisrechner steht beim Ladestellenverzeichnis die praktische Situation der Nutzer im Mittelpunkt: ‚Ich bin jetzt hier – wo kann ich am besten laden?‘ Diese Aufgabenstellung wird in der Applikation abgebildet und beantwortet. Nach Eingabe des aktuellen Standortes findet das Tool zunächst die zehn nächstgelegenen Ladestellen. Diese werden sowohl auf einer Karte angezeigt, als auch in einer Liste. Durch Scrollen der Karte lässt sich die Auswahl der Stationen mitbewegen. So kann man zum Beispiel virtuell eine Route auf der Karte entlangfahren und jeweils sehen, wo immer die nächstgelegenen Ladestellen zu finden sind. So lässt sich gut die Übersicht behalten.“

Ein Preisvergleich unter den Stromtankstellen sei derzeit aber noch nicht möglich, ebenso wenig, ob eine Ladestation gerade belegt ist oder frei, so Urbantschitsch. Private Anbieter wie Verkehrsclubs könnten das Tool jedoch künftig auch als App anbieten. Das online abrufbare Tool basiert auf einer EU-Vorgabe, die eine gesetzliche Meldeverpflichtung an die E-Control aller in Österreich öffentlich zugänglichen Ladestellen vorsieht.

Durch die Bereitstellung als offenen Daten kann das Ladestellenverzeichnisses auch als wichtige Grundlage beispielsweise für App-Entwickler oder Automobilclubs dienen, um die Grundanwendung mit zusätzlichen Services zu erweitern. Vorgestellt wurde ganz bewusst erstmal eine Betaversion des Verzeichnisses. Um die Datenqualität zu verbessern, bedürfte es aber nicht nur aller Betreiber-Inputs, sondern auch viel Feedback von Nutzerinnen und Nutzern, sind sich alle Beteiligten einig.

SERVICE: Die wichtigsten Zahlen und Entwicklungen rund um das Thema Elektromobilität fasst auch das Monitoring der AustriaTech für 2019 zusammen.

Ein weiteres wichtiges Instrument zur Förderung der E-Mobilität ist das Programm Zero Emission Mobility. Im Rahmen der Klima- und Energiestrategie #mission2030 werden über den Klima- und Energiefonds Elektromobilitäts-Projekte zur Umsetzung gefördert. Erst Anfang Mai wurde die zweite, mit sieben Millionen Euro dotierte Ausschreibung des Programms gestartet. Der Fokus liegt dabei erneut auf einer 100prozentigen Elektrifizierung von Fahrzeugen, die Entwicklung und Erprobung von intelligenter Ladeinfrastruktur sowie Zero-Emission-Logistik und Zero-Emission-Mobilitätslösungen

INFObox: BMVIT und BMNT haben Anfang 2019 die Neuauflage des Förderpakets E-Mobilität beschlossen. Das Paket umfasst ein Fördervolumen von 93 Mio. Euro für die kommenden zwei Jahre und wird von den Ministerien in Partnerschaft mit dern Automobil- und Zweiradimporteuren sowie dem Sportfachhandel finanziert.