Kategorie Innovation & Technologie - 1. Juli 2019

Open Innovation: Die kreative Seite der Öffentlichen Beschaffung

Die öffentliche Verwaltung in Österreich punktet durch eine hohe Qualität und Verlässlichkeit. Und dennoch steht der öffentliche Sektor vor einigen Herausforderungen, wie etwa Effizienzsteigerung, Bewältigung des Generationswechsels oder die Nutzung neuer Technologien, wie Künstliche Intelligenz.

Vor diesem Hintergrund unterstützt die IÖB-Initiative von BMVIT und BMDW öffentliche Beschaffer mit einem breiten Serviceangebot und einer europaweit einzigartigen Open-Innovation-Plattform.

 

Um die öffentliche Verwaltung zukünftig noch effizienter, bürgernäher und innovativer zu gestalten, unterstützt die 2013 ins Leben gerufene IÖB-Servicestelle (IÖB: Innovationsfördernde Öffentliche Beschaffung) mit kostenlosen Services und einem breiten Schulungs- und Beratungsangebot.

Herzstück der Initiative ist die IÖB-Innovationsplattform. Auf dieser Plattform ruft die IÖB-Servicestelle regelmäßig zu IÖB-Challenges auf, um öffentlichen Auftraggebern in Österreich die Suche nach innovativen Lösungen zu erleichtern. Die Challenges folgen dem Open Innovation Ansatz und geben Unternehmen die Chance, vielseitige und neue Lösungsansätze aufzuzeigen.

Wie funktionieren die Challenges?

Öffentliche Auftraggeber können eine Herausforderung veröffentlichen – Unternehmen werden dann aufgefordert, ihre Ideen und Lösungsvorschläge online einzureichen. Eine Jury bewertet diese und lädt die spannendsten Unternehmen zu einem Innovationsdialog ein. Die IÖB-Servicestelle begleitet und moderiert durch den gesamten Prozess und akquiriert Unternehmen für eine Teilnahme.

Digitalisierungsprojekte

Auf diese Weise konnten in der Vergangenheit bereits zahlreiche Digitalisierungsprojekte der öffentlichen Hand umgesetzt werden. So wurde beispielsweise über das AIT (Austrian Institute of Technology) im Schloß Schönbrunn ein innovatives Besuchermanagement eingerichtet. Dieses System kann über die sensorische Erfassung und digitale Simulation von Besucherströmen den Besuch des Schloßes effizient gestalten, Staus und Engpässe in den Räumen des Schloßes verhindern, und die Sicherheit für alle Gäste gewährleisten.

Auch die Wiener Linien suchten über eine IÖB-Challenge einen interaktiven Weg, um die Fahrt in der U-Bahn Linie U6 für Nutzerinnen und Nutzer angenehmer und spannender zu gestalten. Spielerische Ansätze mithilfe von Augmented Reality sollen die U6 bald in einen digitalen Escape Room verwandeln.

© Wiener Linien

Eine weitere IÖB-Challenge verhalf der ASFINAG zu einer intelligenten, digitalen Lösung zur Verwaltung des internen E-Fuhrparks inklusive einer entsprechenden Ladeinfrastruktur. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können zahlreiche Standorte von Ladesäulen in ganz Österreich mit wenigen Klicks mobil reservieren und so sicherstellen, dass eine Ladesäule vor Ort frei ist. Das intelligente System dahinter optimiert die Buchung hinsichtlich Ladezeit, Ladegeschwindigkeit und vorhandener Buchungen, sodass jedes Fahrzeug optimal geladen werden kann und Wartezeiten minimiert werden.

Aktuelle Challenges

Mit dem Patentamt im Dialog

Eine der aktuellen IÖB-Challenges des österreichischen Patentamtes widmet sich dem Thema Digitalisierung im Kundenservice. Der Chatbot „Albert“ des österreichischen Patentamtes war einer der ersten in der öffentlichen Verwaltung.

Zukünftig soll der Chatbot Kundinnen und Kunden noch besser unterstützen, indem er natürliche Sprache verstehen, sein Wissen laufend erweitern und sich mit anderen Chatbots austauschen kann. Bis 9. Juli können Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Lösungen einreichen.

Ticketautomaten der Zukunft

Neu sind auch zwei Challenges, die sich mit der Neuplanung der ÖBB-Ticketautomaten beschäftigen. Nach 15 Jahren im Dienst wird nun an der nächsten Generation gearbeitet. Gesucht werden sowohl Lösungen für die Hardware als auch Konzepte für die Bedienoberfläche hinsichtlich Usability und Mensch-Maschine Interaktion.

Zwei Aufgaben hat die ÖBB dazu potentiellen Innovationspartnern gestellt: 1. Welche neuartigen Hardware-Komponenten sorgen dafür, dass der Ticketautomat auch im Jahr 2035 noch auf der Höhe der Zeit ist und welche smarten Sicherheitslösungen gibt es, um den Zugriff für Betriebsmitarbeiter zu steuern? sowie 2. Welche Ausstattung macht den Ticketautomaten intelligent und bietet Nutzerinnen und Nutzern neue Wege, um ihre Fahrkarte (schnell und sicher) zu kaufen?

Um der neuen Generation an Ticketautomaten eine ähnlich lange Zukunft von mindestens 15 Jahren Betriebszeit zu sichern, ist die Planung eine verantwortungsvolle Aufgabe, bei der die ÖBB sich nicht nur auf die eigenen klugen Köpfe und Rückmeldungen von Nutzerinnen und Nutzern verlassen will.

Derzeit erfolgt die Interaktion mit dem Automaten zur Ticketauswahl über Eingaben am Touchscreen. Das soll es auch in der neuen Generation von Ticketautomaten geben – aber ergänzt um intuitive und innovative Usability-Konzepte sowie intelligente Unterstützung durch das Gerät.

© ÖBB

Bis 10. Juli können hier noch Lösungen eingereicht werden.

Open Innovation auf der Autobahn

Auch auf der Straße soll Open Innovation einmal mehr ankommen: Die ASFINAG fragte, welche Maschinen Grünstreifen an Straßen jetzt (oder in Zukunft) autonom und zuverlässig mähen und mulchen? Entlang der 2.200 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen im Netz der ASFINAG, gehört der Schnitt der Grünflächen und das Mulchen derselben vielleicht nicht zum Hauptaugenmerk der Autofahrenden, aber doch zum regulären Betrieb des Straßenbetreibers

© ASFINAG

Die Ebenen und Böschungen müssen mindestens zwei Mal pro Jahr von Gras und allerlei wucherndem Unkraut befreit werden. Auf vielen Grünflächen mit Neigung können viele der gängigen Geräte und Traktoren aber nicht werken – zu stark wäre die Schräglage.

Gleich zwölf Unternehmen haben sich dieser Herausforderung gestellt und bei der Challenge eingereicht. Die Expertenjury hat aus den Einreichungen nun die vier besten Lösungsvorschläge ausgewählt und zum Innovationsdialog eingeladen.

Gerade zu Ende gegangen ist die Einreichphase zu einer weiteren Challenge der ASFINAG. Sie suchte neben neuem Mäh- und Mulchgerät nämlich auch eine technisch saubere Lösung, um verlorene Gegenstände von Fahrstreifen entfernen zu können.

Service: Die neue aws IÖB-Toolbox – der Hebel für Innovation. Eine neue Förderung der aws in Kooperation mit der IÖB-Servicestelle stellt einen neuen finanziellen Hebel für die Umsetzung innovativer Beschaffungsprojekte zur Verfügung. Mit bis zu 50 Prozent bzw. max. 100.000 EUR können sich öffentliche Stellen innovative Beschaffungsprojekte fördern lassen. Diese Förderung löst den IÖB-Projektwettbewerb ab, der bis einschließlich 2018 innovative Beschaffungsprojekte prämierte. Ausgezeichnete Projekte der letzten Jahre umfassen beispielsweise den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Prozess der Kostenrückerstattung der Sozialversicherungen (IT-SV).

INFObox: Die IÖB-Servicestelle ist eine Initiative des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) in Kooperation mit der Bundesbeschaffung GmbH und gleichzeitig der One-Stop-Shop zum Thema innovationsfördernde öffentliche Beschaffung. Als Netzwerk- und Unterstützungsstelle für alle Innovatoren in der öffentlichen Verwaltung baut die IÖB-Servicestelle Brücken zwischen innovativen KMUs bzw. Startups und öffentlichen Institutionen. Das Serviceangebot richtet sich an alle öffentlichen Institutionen der Republik sowie öffentliche Unternehmen. Gemeinsames Ziel ist es über die Beschaffung innovativer Lösungen Effizienz- und Modernisierungsimpulse im öffentlichen Sektor zu setzen und gleichzeitig die Wertschöpfung am Standort Österreich zu stärken.