Kategorie Innovation & Technologie - 19. Juni 2018

Spitzenforschung: Per COMET von der Kutsche zum Robo-Auto

COMET ermöglicht weiterhin die Initiierung neuer Produkt-, Prozess – und Dienstleistungsinnovationen.

Im Rahmen des Kompetenzzentren-Programms COMET wurden gerade neun neue Forschungsprojekte genehmigt. Wirtschafts- und Infrastrukturministerium fördern diese mit 11,7 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren, gaben beide Ressorts sowie die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG bekannt. Mit den Mitteln der beteiligten Bundesländer, Unternehmen und Organisationen beträgt das Gesamtvolumen 41 Millionen Euro.

Erfolgsgeschichte

„COMET ist eine Erfolgsgeschichte der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und gibt konkrete Antworten auf Zukunftsfragen unserer Gesellschaft. Digitalisierung ist als Querschnittsmaterie in sämtlichen Themenbereichen der Kompetenzzentren und -projekte ganz zentral“ erklärte Infrastrukturminister Norbert Hofer anlässlich der Bekanntgabe der neu bewilligten COMET-Projekte.

„Wir stellen gemeinsam 11,7 Millionen Euro über das COMET-Programm für die nächsten vier Jahre für die neun neuen COMET-Forschungsprojekte zur Verfügung und investieren so im Verbund mit den Ländern und beteiligten Organisationen ein Gesamtvolumen von über 41 Millionen Euro. Damit stärken wir die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes und tragen zur Modernisierung Österreichs bei“, so der Minister weiter.

Thematisch sind die neuen Projekte in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien,, Produktionstechnologien, Mobilität, Energie und Umwelt sowie Lebenswissenschaften angesiedelt. Die Steiermark beteiligt sich an fünf der neu bewilligten Projekte, Oberösterreich an vier, Burgenland und Tirol jeweils an zwei und Niederösterreich, Salzburg und Wien jeweils an einem. Beide Ministerien folgen damit einer Empfehlung der international besetzten Expertenjury.

Newcomer Linie

COMET-Projekte stellen die Newcomer Linie des COMET-Programms dar und sollen Raum für neue Ideen im Bereich der kooperativen Forschung bieten. „Durch die Förderung der COMET-Kompetenzzentren und -projekte stoßen BMVIT und BMDW ganz wichtige neue Forschungskooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft an. Das vorrangige Ziel dabei ist die rasche Umsetzung von Forschungsergebnissen in konkrete Anwendungen und Produkte“, erklären Henrietta Egerth und Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG. Mit den neun neuen COMET-Projekten umfasst die Landkarte der Exzellenzzentren nun aktuell fünf K2 und 17 K1 COMET-Zentren sowie 25 COMET-Projekte.

Größtes Projekt in Graz

Mit dem Virtual Vehicle Center ist das derzeit größte COMET-finanzierte Forschungszentrum Österreichs in der Steiermark zu finden. Das international agierende Forschungs- und Entwicklungszentrum befasst sich mit der anwendungsnahen Fahrzeugentwicklung und zukünftigen Fahrzeugkonzepten für Straße und Schiene mit dem Schwerpunkt autonomes Fahren. Co-Finanzierungen laufen über Fundraisingprojekte und Auftragsforschungen.

Autonomous Drive Demonstrator © Virtual Vehicle

Jost Bernasch, der CEO des in Graz ansässigen internationalen F&E-Zentrums, meint „derzeit werde alles auf den Kopf gestellt und der Zukunft des autonomen Fahrens gewidmet“. Nicht die Autohardware stehe mehr im Zentrum der Autowertschöpfung, sondern die Software, die Informationstechnologien, Hochleistungsrechner und Steuergeräte. Allein im neuen Testwagen von Virtual Vehicle sind rund 80 Steuerungsgeräte installiert.

In Zukunft, in durchaus absehbarer, werde das Auto in erster Linie über das Mobilitätsservice interessant werden, sagt Bernasch. Ähnlich wie bei Handys, die erst über die speziellen Serviceleistungen (etwa Apps) attraktiv werden. Und alles werde über die Marken, wie bei den Smartphones, laufen.

Neue Level

In spätesten zehn Jahren werden nach Bernaschs Prognose Autos der Levelstufen 3 und 4 unterwegs sein. Level 3 bedeutet, dass, anders als beim Level 2 (automatisiertes Einparken), der Fahrer den Pkw nicht mehr permanent überwachen muss. Das Auto vollzieht bereits eigenständig Überholmanöver auf der Autobahn. Bei Level 4 übernimmt der Autopilot schon dauerhaft die Führung des Fahrzeugs, der Pkw ist allerdings noch mit einem Lenkrad für Eingriffe bei komplexen Situationen ausgestattet. Level 5 beschreibt das völlig automatisierte „Robo-Auto“.

Wie Autolenker mit den sich vom menschlichen Direkteinfluss „emanzipierenden“ Autos umgehen, wie sie sich darauf einstellen können, darum kümmern sich auch Psychologen im Virtual Vehicle. „Der Faktor Mensch ist natürlich extrem wichtig, ein Hauptthema“, sagt Bernasch.

Chancen für Start-ups

Der jetzige Umbruch in der Autowelt biete große Chancen auch für kleine Start-ups, sagt der Virtual-Vehicle-CEO. Autokonzerne könnten es sich nicht leisten, jetzt voll auf die neuen Technologieentwicklungen umzuschwenken, auf Crashkurs zu gehen. Das Risiko sei noch zu groß, wie an der Performance von Tesla zu sehen ist.

In der Entwicklung der autonomen Autos bewegten sich europäische Unternehmen und Forschungszentren wie das Virtual Vehicle durchaus bereits auf Augenhöhe mit den amerikanischen Konzernen, sagt Bernasch.

Das „COMET“-Programm im Überblick  und Startschuss für 9 COMET-Forschungsprojekte

INObox: Die 1998 im Rahmen des COMET-Programms initiierten Kompetenzzentren (Kplus, K_ind, K_net) gehören zu den erfolgreichsten Innovationen der Technologiepolitik in Österreich. In den mehr als 40 Zentren dieser Programme arbeiten rund 1.500 Forscherinnen und Forscher aus Wissenschaft und Wirtschaft an gemeinsam definierten Forschungsprogrammen auf international konkurrenzfähigem Niveau.