Kategorie Innovation & Technologie - 22. Mai 2018

Quo vadis Energiezukunft?

Intelligent, innovativ und flexibel – unser Energiesystem ist im Wandel. Die ambitionierten, in Paris definierten und unumgänglichen Klima- und Energieziele, die Nachfrage nach Energie aus erneuerbaren Quellen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen für Unternehmen führen zu großen Veränderungen im Energiesystem. Speziell für die bestehenden Energienetze bedeutet das große Herausforderungen, denn sie müssen bei schwankender Energieerzeugung trotzdem resilient und ausfallsicher sein.

Internationale Energieexperten trafen sich vom 14. bis zum 18. Mai in Wien bei der Smart Energy Systems Week Austria (SESWA), um sich über die Veränderungen der Energieinfrastruktur auszutauschen. Zum bereits zehnten Mal fand dieses Event in Wien statt, welches heuer unter dem durchaus provokativen Titel Energieinfrastruktur als Konsumgut? zum Austausch lud. Die SESWA zählt zu den traditionsreichsten und renommiertesten Fachforen der Energie-und Technologie-Community. Veranstaltet wird sie vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit), dem Klima- und Energiefonds und der Wiener Magistratsabteilung 20 – Energieplanung gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Energiewirtschaft, Industrie und Kommunen.

Neben der Frage, ob unsere Energieinfrastruktur, die noch vor 20 Jahren in staatlicher Obhut war, in Zukunft zum Konsumgut werden könnte, diskutierten die Teilnehmenden auch andere Themenschwerpunkte und beleuchteten beispielsweise Innovationslösungen der Energiewende aus Nutzersicht. Darüber hinaus wurden Themenkreise wie Immobilienkraftwerke und Haushaltsenergie, Energie 4.0, kommunale Infrastrukturangebote bis zu Portfoliodiskussion für Stadtwerke und entsprechende Netze erörtert. Angesichts einer grundlegenden Neuausrichtung der globalen Energieinfrastrukturen wird die Energiezukunft einiges an Veränderungen bringen. Es stellt sich die Frage, wie solch disruptive Umwälzungen stattfinden werden und wer die klassische Versorgungsaufgabe weiterhin wahrnimmt. Sind Energie-Dienstleistungen in einer Welt hin zu mehr Shared-Services-Angeboten wie Konsumgüter vermarktbar? Werden Energiesysteme und Industrie 4.0 sinnvoll zusammenwachsen?

Energieinnovationsland

Norbert Hofer, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie: „Neue Energielösungen und Energietechnologien entwickeln sich zu einem der größten Wachstumsmärkte des 21. Jahrhunderts. Dass Österreich als Energieinnovationsland international sichtbar wird, ist für die Zukunft des Wirtschafts- und Beschäftigungsstandorts entscheidend. Deshalb ist es mir besonders wichtig, Forschung und Innovation in enger Kooperation mit der Wirtschaft voran zu bringen. Dieser Punkt wurde in der österreichischen Klima- und Energiestrategie zentral verankert. Mit dem Beitritt zur internationalen Initiative Mission Innovation sowie der Ausgestaltung von missionsorientierten Forschungs- und Umsetzungsprogrammen sollen Potenziale der Österreichischen Wirtschaft mobilisiert und sichtbar gemacht werden. Damit kann erreicht werden, dass die Dekarbonisierungsentwicklung nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und sozial verträglich gestaltet wird.“

„Mit der Smart Energy Systems Week bieten wir seit langem eine ideale Plattform für kritische Geister und kluge Köpfe, für intensive Vernetzung und die Basis zur Umsetzung ambitionierter Projektideen. Egal ob es um den Einsatz erneuerbarer Energie im industriellen Produktionsprozess geht oder um ein neues energieeffizientes Produkt für den klimabewussten Privathaushalt“, so Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds, über die Bedeutung der Veranstaltung.

Eine funktionierende Energieinfrastruktur ist Voraussetzung für Versorgungssicherheit und damit für hohe Lebensqualität und einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Die Verteilernetze werden auch in Zukunft eine entscheidende Rolle beim Funktionieren des Energiesystems spielen und der technologische Wandel wird die Art der Energieversorgung grundlegend verändern. So müssen die Netzbetreiber im Sinne der Dekarbonisierung und einer digitalisierten Energiezukunft bestmöglich in den Zukunftsprozess Energiewende einbezogen werden.

Die Start-up & Innovation Days zu Beginn der Konferenzwoche brachten hochkarätige Keynote Speaker aus dem Silicon Valley nach Wien. In interaktiven Formaten (Design Thinking Workshop und Open Space Session) lernten Sie österreichische und internationale Startups kennen. Die begleitende Industrieausstellung der Partner war auch dieses Jahr wieder Treffpunkt für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um sich über die aktuellen Entwicklungen der Produkte, Dienstleistungen und Services zu informieren.

Awards für Forschungsarbeit

Im Rahmen der SESWA werden alljährlich herausragende Leistungen im Bereich angewandte Forschung und Entwicklung ausgezeichnet, die maßgeblich zur Umsetzung smarter Energiesysteme beitragen. Einen der begehrten „Smart Energy Systems Awards 2018“ erhielt die ASCR, die im Wiener Stadtteil aspern Seestadt innovative Energielösungen für die Smart Cities von morgen entwickelt.

 

Die Vertreter der Wiener Forschungsgesellschaft durften am gestrigen Mittwochabend den Preis in der Kategorie „Tech Solution“ entgegennehmen: „Die ASCR präsentiert bei der SESWA intelligente Systeme zur Gebäudeoptimierung und zum Angebot von Flexibilitäten für Netz und Markt. Wir freuen uns, dass die Arbeit unseres Teams so großen Anklang findet und sind stolz, Preisträger zu sein“, betonten ASCR-Geschäftsführer Robert Grüneis und Georg Pammer.

Österreich nun bei ‚Mission Innovation‘

Im Anschluss an die Smart Energy Systems Week Austria findet nun in Malmö ein Ministergipfel zur Energieforschung statt, bei dem auch die Leistungen und Vorhaben Österreichs zur Entwicklung innovativer Energietechnologien gewürdigt werden. Beschlossen wurde dort bereits die Aufnahme Österreichs in die Allianz der innovation leader. Das Netzwerk „Mission Innovation“ besteht mit Österreich nun aus 23 Staaten und der Europäischen Union. Ziel dieser internationalen Initiative ist es, gemeinsam mit privaten Investoren den Klimawandel zu bekämpfen und die Entwicklung sauberer Energietechnologien deutlich voranzutreiben. Die enge Kooperation der öffentlichen Hand mit der Wirtschaft ist in Österreich ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Österreich konnte die öffentlichen Energieforschungsausgaben seit 2008 mehr als vervierfachen. Die Industrie griff diese Entwicklung auf und erhöhte die Forschungsinvestitionen ebenfalls um ein Vielfaches.

„Es ist die Partnerschaft aus Staat und Privat, die Mission Innovation so stark macht. Diesen Erfolgsweg fortzusetzen“ meint Bundesminister Hofer „ist ein wichtiges Anliegen der aktuellen Bundesregierung. Deshalb werden wir gemeinsam mit österreichischen Betrieben Forschungs- und Innovationsschwerpunkte zu den Themen Speichersysteme und Batterien, Smart Buildings und Smart Cities, Intelligente Netze sowie Industrieanwendungen im Rahmen der im Regierungsprogramm verankerten Energieforschungsinitiative vorbereiten, welche in Kürze starten.“

Energielösungen und Energietechnologien gehören global gesehen zum größten Wachstumsmarkt des 21. Jahrhunderts. Durch diese Public-Public-Private Partnerships werden in den nächsten Jahren weltweite Technologiemärkte mit völlig neuer Dimension und hoher Dynamik stimuliert. Mit dem Beitritt Österreichs zu dieser globalen Initiative gelingt es, Österreich als „Energieinnovationsland“ zu positionieren. Die Teilnahme an diesem internationalen Netzwerk und das Engagement in entsprechenden Forschungskooperationen ist eine Eintrittskarte für private Investitionen in neu entstehende Märkte.

Gebäude als Energiemanager

Durch den wachsenden Anteil dezentral erzeugter erneuerbarer Energie – Stichwort Energiewende – wird es immer schwieriger, Verbrauch und Erzeugung im Gleichgewicht zu halten. Smarte Gebäude werden in Zukunft bei dieser Herausforderung eine wichtige Rolle spielen. Denn sie werden nicht nur in der Lage sein, ihren Energieverbrauch selbst zu managen und zu optimieren, sondern auch Flexibilitäten anzubieten, die zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Dazu bedarf es eines Building Energy Management Systems (BEMS), das in regelmäßigen Intervallen Prognosen des Stromverbrauchs des Gebäudes und mögliche Flexibilitäten errechnet. So lässt sich prognostizieren, wann und wie viel Überschuss produziert und ins Netz eingespeist werden könnte.

Damit Gebäude an Regelenergiemärkten kostendeckend teilnehmen können, braucht es intelligente Stromnetze, welche über den Netzzustand nicht nur jederzeit Bescheid wissen, sondern auch Prognosen erstellen können. Bernd Vogl, Abteilungsleiter der Magistratsabteilung 20 für Energieplanung in Wien: „Urbane Energiesysteme sind der Schlüssel zur Energiewende. Durch die Vernetzung auf Events wie der Smart Energy Systems Week entstehen neue Ideen, die uns einer Stadt der Zukunft frei von fossilen Energieträgern näherbringen.“

Heimische Bau-Expertise als Exportschlager

Bereits eine Woche zuvor wurde zum ersten Mal der Austrian Green Planet Building Award verliehen. Austrian Green Planet Building ist die gemeinsame Dachmarke für nachhaltiges Bauen aus Österreich, der Award wird ausschließlich an österreichische Unternehmen und ihre internationalen Bauherren vergeben. Ausgezeichnet wurden vier Gebäude aus der ganzen Welt, die mit Hilfe heimischen Know-hows herausragende Leistungen für Energiewende und Klimaschutz erbracht haben.

Österreichische Bau-Expertise als Klimaschutz-Exportschlager: Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger, Generalsekretär Andreas Reichhardt und Ulrike Rabmer-Koller, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, verliehen erstmals den Austrian Green Planet Building Award an österreichische Unternehmen und ihre internationalen Bauherren. © BMNT/Gruber

Schlüssel für klimaneutrale Zukunft

Aufgrund seiner Langlebigkeit ist der Gebäudesektor ein Schlüssel für langfristig wirksamen Klimaschutz und daher auch ein wichtiges Zugpferd der #mission2030. Der Austrian Green Planet Building Award unterstreicht die heimische Innovationskraft beim energieeffizienten Bauen. Zahlreiche Forschungsinitiativen waren und sind ein konsequenter Treiber für die Entwicklung neuer Erkenntnisse und bahnbrechender Technologien. Dadurch ist Österreich im internationalen Vergleich ganz vorne dabei“, freut sich Norbert Hofer, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie anlässlich der Auszeichnung. Neben der richtigen Planung und Materialauswahl für einen energieeffizienten Bau braucht es auch fachliche Expertise, um diese innovative Architektur in allen Bauweisen umzusetzen – egal ob im konsequenten Holzbau, Ziegelbauwerken, der Stahlbetonbauweise oder im Umgang mit historisch wertvoller Bausubstanz. In all diesen Bereichen sind österreichische Betriebe sowie Expertinnen und Experten internationale Vorreiter.

Das Infrastrukturministerium nimmt jährlich rund 100 Millionen Euro für Energieforschung in die Hand. Für drei „Vorzeigeregionen Energie“, in denen österreichische Betriebe saubere Energietechnik unter Realbedingungen testen können, dotiert das Infrastrukturministerium den Klima- und Energiefonds in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 120 Millionen Euro. Damit erfüllt Österreich die formale Voraussetzung, um an Mission Innovation teilnehmen zu können. Im Rahmen der jetzt erarbeitenden Klima- und Energiestrategie werden zwei große Leuchttürme im Bereich Forschung und Innovation vorbereitet: Einer unterstützt missionsorientierte Forschung und Entwicklung für energie- und klimarelevanten Technologien und Lösungen und ein weiterer forciert die Umsetzung in breit angelegten Feldtests und Reallabore. Dadurch wird in enger Kooperation mit der Wirtschaft ein deutlicher Schritt in Richtung erfolgreiche Energielösungen für internationale Märkte gesetzt.