Kategorie Verkehr - 18. November 2019

Sperren von Straßen & Bahnstrecken wegen Schnee & Überflutungen

Verschneite Fahrbahnen, Lawinengefahr, umgeknickte Bäume und Überflutungen: In Teilen Österreichs führt der Wintereinbruch zu massiven Verkehrsbehinderungen. Betroffen sind vor allem Tirol, Kärnten und Teile Salzburgs.

Update 18. November 15:00 Uhr

In Kärnten bleiben die Sperren der Tauernautobahn (A10), der Mölltal Straße (B106) und der Tauernbahn vorerst aufrecht. Während die Tauernautobahn bei Feistritz zumindest bis Montagabend, 17.00 Uhr, gesperrt bleiben sollte, wird die Tauernbahnstrecke voraussichtlich mehrere Tage lang nicht befahrbar sein.

Wie die Asfinag am Montag in einer Aussendung mitteilte, hat sich wegen des starken Regens der letzten Tage ein Hang an der Tauernautobahn zwischen Spittal und Villach auf Höhe Feistritz/Drau auf einer Länge von etwa 50 Metern in Bewegung gesetzt. „Einige Bäume neigen sich bereits stark in Richtung Autobahn“, hieß es von der Asfinag. Die Fahrbahn in Richtung Villach wurde gesperrt, der Verkehr über Bundesstraßen umgeleitet. Ein Landesgeologe wurde für Nachmittag vor Ort erwartet, erst dann wird entschieden, wann die Sperre wieder aufgehoben wird. Von Villach nach Spittal war die Tauernautobahn normal befahrbar.

Für die ÖBB stand am Montag fest, dass die Tauernbahnstrecke vorerst nicht befahren werden kann: „Die nassen Hänge entlang der Strecke machen eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs derzeit unmöglich“, teilten die ÖBB in einer Aussendung mit. Aus Sicherheitsgründen können derzeit auch keine Mitarbeiter zur Strecke, da die Gefahr von erneuten Murenabgängen zu hoch ist. Vorerst will man die vorhergesagten Niederschläge abwarten, bevor man am Mittwoch die Lage neu beurteilen wird.

Die Tauernstrecke zwischen Spittal-Millstättersee und Bischofshofen wird bis voraussichtlich Samstag, 23. November, gesperrt bleiben. Für Fernverkehrszüge ist ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Wegen Lawinengefahr bleibt die Tauernschleuse für den Autoreisezug zwischen Mallnitz und Böckstein bis voraussichtlich Mittwoch, 20. November, geschlossen. Und auch die Strecke Spittal-Mallnitz bleibt gesperrt, hier ist wegen der Unwetterschäden auch kein Schienenersatzverkehr möglich.


 

Die starken Niederschläge am Sonntag sorgten vor allem in Oberkärnten und in Osttirol, stellenweise auch im südlichen Salzburg sowie in Nordtirol für erhebliche Probleme, hier galten laut ZAMG weiterhin rote und orange Wetterwarnungen. Positive Nachrichten gab es für Lavamünd, die Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen als ursprünglich vorhergesagt.

© apa

Nach den intensiven Niederschlägen der vergangenen Tage wird die vorübergehende Wetterbesserung am Montag in Osttirol für zahlreiche Erkundungsflüge genutzt.  Insgesamt fünf Hubschrauber stünden dafür zur Verfügung.

Die Stromversorgung in Osttirol ist in der Nacht auf Montag stabil geblieben, es gab keine zusätzlichen Ausfälle. Am Montagvormittag waren jedoch immer noch rund 1.900 Haushalte ohne Strom. 90 Monteure der Tinetz waren in Osttirol im Einsatz. Zudem wurden noch weitere Montagekräfte aus Nordtirol, Salzburg und Oberösterreich angefordert. Der Fokus lag am Montag darauf, die zerstörte 110kV-Leitung zwischen Amlach und Sillian wiederherzustellen.

Bahnsperren

Aktuelle Sperren von Bahnstrecken:  Die Brenner-Bahnstrecke ist für den Personenverkehr inzwischen wieder freigegeben, teilten die ÖBB via Twitter mit.

Die Drautalbahn ist zwischen Lienz und Innichen nach den starken Schneefällen unterbrochen. Auch Ersatzbusse können nicht fahren – wegen Lawinengefahr.

Die Außerfernbahn ist zwischen Reutte und Ehrwald wegen einer Oberleitungsstörung bis Montag 18 Uhr unterbrochen.
Mehr als 10 Bäume sind auf die Oberleitung gestürzt. Zwischen Reutte und Garmisch-Partenkirchen fahren ersatzweise Busse.

© ÖBB

Die Salzburg-Tiroler-Bahn („Giselabahn“) ist nach einem Murenabgang zwischen Saalfelden und Hochfilzen unterbrochen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet.

Die Tauernbahn ist zwischen den Bahnhöfen Schwarzach-St Veit und Spittal-Millstättersee unterbrochen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet. Die Sperre dauert voraussichtlich bis in die Mittagsstunden.

Die Salzkammergutbahn ist zwischen Steeg-Gosau und Obertraun-Dachsteinhöhlen wegen eines Oberleitungsschadens unterbrochen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet.

Die Murtalbahn ist nach einem Erdrutsch zwischen Murau und Tamsweg unterbrochen. Es gibt keinen Ersatzverkehr.

Straßensperren

Nach wie vor mussten in Osttirol noch zahlreiche Straßen gesperrt bleiben, darunter etwa die Felbertauernstraße von Matrei bis Mittersill, die Gailtalstraße, die Virgentalstraße zwischen Virgen und Prägraten, die Defereggentalstraße ab Huben sowie die Villgratentalstraße. Zudem war die Pustertalerstraße auf Südtiroler Seite gesperrt, weshalb Osttirol vorerst nur über Kärnten erreichbar war. Die medizinische Versorgung sei in allen Täler aber sichergestellt.

Eine Wetterberuhigung war laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) erst am Sonntag in den späten Abendstunden zu erwarten. Gegen Mitternacht sollten die Niederschläge zur Gänze aufgehört haben. Die Lawinensituation bleibt aber auch am Montag mit Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala angespannt.

„Aufgrund des in der Höhe immer noch starken Windes und der dadurch bedingten Zusatzbelastung auf die Schneedecke sowie der erhöhten Gefahr von Gleitschneelawinen bleibt die Lawinengefahr in den Hauptniederschlagsgebieten immer noch groß. Gleitschneelawinen bilden dabei die Hauptgefahr. Schneebrettlawinen aus hohen Einzugsgebieten sollten nur mehr in besonders windbeeinflussten Bereichen spontan abgehen“, erklärte Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst Tirol. Dies galt auch weiterhin für die südlichen Ötztaler Alpen, die Brennerregion sowie die südlichen Stubaier Alpen bis zum Zillertaler Hauptkamm.

Auch in Südtirol waren zahlreiche Straßen gesperrt und rund 12.500 Haushalte ohne Strom. Das Mobilfunknetz war ebenfalls teilweise ausgefallen.

Die starken Niederschläge bereiteten auch im Bundesland Salzburg weiter Probleme. Besonders betroffen waren die südlichen Landesteile. In Taxenbach, Bruck, Fusch und Rauris seien rund 200 Personen ohne Straßenverbindung, 13 Gebäude wurden im Pinzgau vorsorglich evakuiert, teilte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz mit.

Eine aktualisierte Liste an Sperrungen von Straßen oder Straßenabschnitten im Zuge der verschärften Wetterverhältnisse finden Sie hier.

Nach dem Lawinenabgang auf die Ranalter Straße in der Nähe der Talstation der Stubaier Gletscherbahnen waren am Montagvormittag nach wie vor rund 250 Gäste und Mitarbeiter der Gletscherbahnen im hinteren Stubaital eingeschlossen. Sie hatten die Nacht im Hotel bei der Talstation und in weiteren Räumlichkeiten der Stubaier Gletscherbahn verbringen müssen. Im Laufe des Vormittags soll ein Lokalaugenschein durchgeführt werden, danach werde über die weitere Vorgehensweise entschieden, teilte das Land Tirol mit.

Nach einem Hangrutsch am Sonntag auf die Brennerstraße (B182) zwischen Stefansbrück und Schönberg muss die Straße voraussichtlich bis Mittwoch gesperrt bleiben. „In der Nacht ist weiteres Material abgerutscht. Zudem drückt feuchtes Gesteinsmaterial auf die bestehende Sicherungswand aus Holz“, erklärte Landesgeologe Roman Ausserlechner.

In Osttirol und entlang der südlichen Ötztaler Alpen, in der Brennerregion und in den südlichen Stubaier Alpen bis zum Zillertaler Hauptkamm herrschte nach wie vor Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala, also große Lawinengefahr. Dementsprechend wurde von Aufenthalten abseits der gesicherten Pisten dringend abgeraten. Auch beim Aufenthalt im Wald bzw. im Freien sei Vorsicht geboten, denn aufgrund des schweren Nassschnees herrsche Baumbruchgefahr

Hochwassersituation entschärft

Die Prognosen für Lavamünd (Bezirk Wolfsberg) haben sich verbessert, teilte das Katastrophenschutzreferat nach der Sitzung des Landeskrisenstabes am Samstag mit. Mit einer maximalen Absenkung der Staubecken versuchte man, so viel Wasser wie möglich vorab abzufangen. Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle dürfte geringer ausfallen, als befürchtet.

Aufgrund der bisherigen und für den Samstag vorhergesagten Niederschläge seien die Abflussmengen neu berechnet worden und zeichneten nun ein etwas günstigeres Bild: Anstatt eines prognostizierten Spitzenabflusses von 1.900 Kubikmetern pro Sekunde werden jetzt Werte von 1.600 (plus/minus 250) Kubikmeter pro Sekunde erwartet. Das sei weniger als bei den großen Hochwasserereignissen im Vorjahr (prognostizierte 2.900 und 2.700 Kubikmeter pro Sekunde). Große Mengen des angekündigte Wassers sollen in den zuvor großzügig abgesenkten Stauseen abgefangen werden.

So wurde laut Verbund – der entlang der Drau zehn Kraftwerke betreibt – in den vergangenen 24 Stunden der größte Stausee an der Drau, der Völkermarkter Stausee, bis Samstagmittag um 4,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt. „Die für die Nachtstunden angekündigte Hochwasserwelle soll im entleerten Stausee aufgefangen werden“, sagte Verbund-Sprecher Robert Zechner. Bereits am Freitag habe man auch die Pegel bei den Stauseen Rosegg/St.Jakob und Feistritz-Ludmannsdorf 2,5 Meter unter das Normalniveau abgesenkt.

Im Völkermarkter Stausee wurde mit der Absenkung der technisch mögliche Maximalwert erreicht. Nachdem große Flächen des Stausees derzeit freiliegen, wurde vonseiten des Verbunds eindringlich vor einem Betreten gewarnt: „Obwohl mit dem Eintreffen der Hochwasserwelle erst in den Nachtstunden zu rechnen ist, kann sich der Wasserstand im flachen Uferbereich aufgrund der Wasserführung der Drau in kürzester Zeit erhöhen“, warnte Zechner. An den Uferbegleitdämmen beim Stausee fanden seit 3.00 Uhr laufend Kontrollbegehungen mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren des Bezirks Völkermarkt statt.

An der Gurk und Glan wurden Spitzenabflüsse der Kategorie HQ 5 bis 10 erwartet, an der Oberen Gurk könnte es aber laut Mitteilung des Katastrophenschutzreferenten auch Abflüsse von über HQ 10 bis HQ 30 geben. Hier wurden am Samstag mobile Hochwasserschutzmaßnahmen aufgebaut. An kleineren Gewässern in den Bezirken Feldkirchen, Villach, St. Veit und Klagenfurt-Land könnten nach wie vor lokal kleinräumig Überflutungen auftreten.

Nachdem die Nacht in Osttirol weitgehend ruhig verlaufen war, führten die anhaltenden Schneefälle am Sonntag wieder vermehrt zu Problemen. Rund 2.000 Haushalte waren Sonntagmittag ohne Stromversorgung. Die schweren Niederschläge würden laufend zu Baumstürzen und Seilrissen führen, hieß es seitens der Tinetz-Stromnetz Tirol AG. Der Stromversorger sprach von einer Situation, „wie wir sie noch nie hatten“. Die Bildungsdirektion Tirol empfahl allen Schulleitern, auch am Montag die Schulen in Osttirol noch geschlossen zu halten.

Im Bereich der Tauern erwarteten die Meteorologen innerhalb von 24 Stunden 90 Millimeter Niederschlag. Dazu herrschte starker Südföhn. Die ansteigende Schneefallgrenze verringerte zwar die Gefahr umstürzender Bäume, gleichzeitig erhöhte sich aber die Gefahr, dass es durch den anhaltenden Regen zu lokalen Überflutungen kommt. In Zell am See drohte beispielsweise der Thumersbach über die Ufer zu treten, die Thumersbacher Landesstraße war gesperrt. Die Lawinengefahr in den Hohen Tauern war groß, in den Niederen Tauern und in den Lungauer Nockbergen erheblich.

Der Katastrophenschutz des Landes empfahl, in den betroffenen Gebieten nicht notwendige Autofahren zu vermeiden und die Gefahr von Dachlawinen zu beachten.

Vorsicht auf den Straßen

Das Autofahren bei winterlichen Straßenverhältnissen erfordert mehr Aufmerksamkeit und stellt Mensch und Fahrzeug vor besondere Herausforderungen. Um auch dann sicher unterwegs zu sein, sollten einige Punkte beachtet werden. Damit alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sicher ans Ziel kommen seien hier nochmal die wichtigsten Punkte zur Fahrt bei winterlichen Bedingungen in Erinnerung gerufen.

*Der Artikel wurde aktualisiert.