Kategorie Verkehr - 22. November 2018

Verkehrssicherheit: Bewusstseins-Kampagnen mit Wirkung

Gute Nachrichten im Bereich Verkehrssicherheit und ein wichtiges Signal dafür, dass bewusstseinsbildende Maßnahmen im Straßenverkehr Wirkung zeigen.

700 Personen hat das Meinungsforschungsinstitut IFES im Auftrag der ASFINAG nach Abschluss der Kampagne Hallo Leben – kein Smartphone am Steuer befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich bewusstseinsbildende Maßnahmen auszahlen. Laut Umfrage griffen jetzt deutlich weniger beim Autofahren zum Smartphone. Das Lesen von Nachrichten während der Fahrt ging demnach sogar um 50 Prozent zurück – verglichen mit Daten vor der Kampagne.

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Das Ergebnis der Wirkungsmessung ist für die ASFINAG-Vorstandsdirektoren Karin Zipperer und Klaus Schierhackl überaus erfreulich: „Nur wenn sich die Lenkerinnen und Lenker an die wichtigsten Regeln halten, schaffen wir bei der Verkehrssicherheit nochmal einen großen Sprung nach vorne. Es geht ganz einfach: Handy weglegen und die Augen auf die Straße, weil das Lenkrad ist kein Platz für Multitasking-Versuche.“

Jeder Dritte greift beim Fahren zum Handy

Ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher greift beim Autofahren zum Handy, Telefonieren, Nachrichten schreiben oder lesen und das Navi bedienen gehört leider allzu oft zum Alltag. Oft geht diese Art von Ablenkung aber schlecht aus. Ablenkung und Unachtsamkeit fordern jedes Jahr dutzende Todesopfer im Straßenverkehr, allein auf Autobahnen waren im Vorjahr 17 Unfälle mit 19 Toten auf Ablenkung und Unachtsamkeit zurückzuführen.

Auch auf der Gefühlsebene wirkte die Kampagne. Lenkerinnen und Lenker empfinden es jetzt auch zunehmend als störend, wenn sie während des Autofahrens kontaktiert werden – und dadurch greifen sie auch nicht mehr so leicht zum Handy, wenn zum Beispiel gerade eine Nachricht angekommen ist.

Falsche Selbsteinschätzung

Warum kann man nicht widerstehen, eine Nachricht zu lesen – obwohl man weiß und erlebt hat, dass es stark ablenkt? Die Verkehrspsychologie Bettina Schützhofer erklärt: „Obwohl das Schreiben und Lesen von Nachrichten während der Autofahrt seit fast zwanzig Jahren verboten ist, wurde es für viele zur alltäglichen Gewohnheit, deren Gefährlichkeit unterschätzt wird. Die aktuelle Kampagne ist dabei ein wichtiger Baustein im Bereich Bewusstseinsbildung und Information.“

So liegt ein gefährlicher Mix aus positiver Einstellung zum Handy am Steuer, subjektiver Wahrnehmung der Anderen und falscher Selbsteinschätzung vor. Zusammengefasst in etwa: „Multitasking ist gut und spart Zeit“, „fast alle nutzen das Smartphone am Steuer“ und „außerdem fahre ich besser als die meisten anderen“.

Europaweite Initiative

Auch auf europäischer Ebende sollen solche Maßnahmen vermehrt zur Verkehrssicherheit beitragen. Ein Expertentreffen zum Thema unter dem Motto Road Safety 2020+ sollte im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft den Weg zu mehr Verkehrssicherheit für die Dekade 2021-2030 skizzieren. Gemeinsam mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und des Europäischen Verkehrssicherheitsrates (ETSC) lud das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) am 13. November 2018 zu der hochrangigen Verkehrssicherheitskonferenz nach Wien.

Die Verkehrssicherheit in Europa hat sich in den letzten Jahren nicht so entwickelt wie erhofft. Ziel war es deshalb, gemeinsam mit den anderen Ländern einen Meilenstein für die nächste Dekade in der Verkehrssicherheitsarbeit zu setzen und wesentliche Fortschritte durch Evaluierung der nationalen Verkehrssicherheitsprogramme zu erreichen.

Das aktuelle österreichische Verkehrssicherheitsprogramm sieht innerhalb von 17 Handlungsfeldern mehr als 250 sorgsam gewählte Maßnahmen vor, mit denen gezielt und umfassend die sicherheitsgefährdenden Faktoren im Straßenverkehr adressiert werden sollen.

In mehr als der Hälfte aller EU-Mitgliedsstaaten haben bereits die Arbeiten an einem nationalen Verkehrssicherheitsprogramm 2020+ begonnen. Der geplante Zeitrahmen in mehr als 70 Prozent der EU-Länder liegt bei 10 Jahren.

Die drei Haupt-Verkehrssicherheitsprobleme, die EU-weit genannt werden sind: unangepasste Geschwindigkeit, Ablenkung und Alkohol bzw. Drogen. Als die erfolgreichsten Maßnahmen in den letzten Jahren wurden Geschwindigkeitsüberwachung, Bewusstseinsbildung durch Kampagnen, sowie Maßnahmen in den Bereichen Infrastruktur und Ausbildung genannt. In Zukunft wird der Fokus auch besonders auf die ungeschützten und jungen Verkehrsteilnehmer gerichtet sein.

Nachaltige Wirkung

Kampagnen wie Hallo Leben – Ablenkung kann tödlich sein von der ASFINAG können Gefahren im Straßenverkehr bewusster machen und das Fahrverhalten nachhaltig positiv ändern. Und das hat diese Kampagne auch erreicht, wie die Wirkungsmessung von IFES zeigt.

Vor der Kampagne gaben 60 Prozent der Befragten an, niemals ohne Freisprecheinrichtung zu telefonieren – nach der Kampagne waren es 75 Prozent. Nachrichten haben vorher knapp 50 Prozent während der Fahrt gelesen, jetzt sind es 25 Prozent. Die Neigung, im stop-and-go-Verkehr häufig zum Handy zu greifen, konnte von 26 auf 22 Prozent reduziert werden. Signifikant – von 46 auf 35 Prozent – verringert hat sich aber das Bedürfnis, jemandem eine Nachricht zu schreiben, dass man zu spät komme.

Automatisierte Mobilität für mehr Verkehrssicherheit

Auch neue Formen der Mobilität haben Einfluss auf die Verkehrssicherheit, auf Car-Sharing Systeme, auf die Wirtschaft oder auch auf die Reduktion der Kraftfahrzeuge. Die Auswirkungen können aber vielfach noch nicht im Detail abgeschätzt werden.

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Konsens herrschte jedenfalls darüber, dass die sich durch automatisiertes Fahren ergebenden Chancen für die Verkehrssicherheit unbedingt genutzt werden sollten. Denn derzeit sind mehr als 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen. Zunehmende Vernetzung und neue Möglichkeiten durch der Digitalisierung können so ebenfalls dabei helfen, die Sicherheit auf den Straßen maßgeblich zu erhöhen.

INFObox: Die ASFINAG plant, finanziert, baut, erhält, betreibt und bemautet im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) das gesamte hochrangige Straßennetz in Österreich. Das sind rund 2.200 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen. Im Aufgabengebiet der ASFINAG spielt auch die Tunnelsicherheit eine besonders wichtige Rolle. Das Verkehrssicherheitsprogramm 2020 des BMVIT umfasst über 250 Einzelmaßnahmen für 17 Handlungsfelder und gliedert sich in infrastrukturelle sowie bewusstseinsbildende Maßnahmen im Rahmen ausgewählter Interventionsbereiche.