Kategorie Verkehr - 7. Januar 2019

Weiterhin Lawinengefahr und Sperren im Winterverkehr

Der Winter hat Österreich weiterhin fest im Griff. Große Mengen Neuschnee und Wind sorgten im ganzen Land für Ausnahmesverhältnisse auf den Verkehrswegen, aber auch für angespannte Situationen in den Skigebieten, welche durch das Ferienende noch verschärft ausfielen. Aufgrund des starken Schneefalls und der labilen Schneeschichten seien am Sonntag Hunderte Lawinen abgegangen.

Die ZAMG hat 20 bis 60 Zentimeter Neuschnee in nur 24 Stunden gemessen. Vor allem im Westen des Landes sorgte dies für Probleme. 20 bis 60 Zentimeter Neuschnee hat die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in den vergangenen 24 Stunden in den Tälern der Alpennordseite registriert. Auf den Bergen im Nordstau – von Vorarlberg über Nordtirol bis in das Dachsteingebiet – fielen verbreitet 50 bis 80 Zentimeter seit Samstagfrüh, wie die ZAMG mitteilte.

Einschränkungen im Bahnverkehr

Aufgrund der Witterungslage kommt es momentan zu einigen Einschränkungen im Bahnverkehr: Zwischen Stainach-Irdning und Schladming musste wegen hoher Lawinengefahr der Zugverkehr eingestellt werden. Unterbrochen sind zudem die Bahnstrecken Saalfelden – Hochfilzen sowie Steeg-Gosau – Stainach-Irdning. Für die ausfallenden Züge haben wir einen Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Es ist mit deutlichen Verlängerungen der Reisezeit zu rechnen.

© ÖBB

Weiters ist derzeit wegen Lawinengefahr kein Zugverkehr zwischen Scharnitz und Mittenwald möglich. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten steht dort jedoch kein Schienenersatzverkehr zur Verfügung.

Die ÖBB bittet Kundinnen und Kunden, nicht dringende Reisen in den betroffenen Gebieten auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Nähere Informationen erhalten Sie in der Streckeninformation, auf SCOTTY mobil und beim ÖBB Kundenservice unter 05-1717.

Vorsicht auf den Straßen

Das Autofahren bei winterlichen Straßenverhältnissen erfordert mehr Aufmerksamkeit und stellt Mensch und Fahrzeug vor besondere Herausforderungen. Um auch dann sicher unterwegs zu sein, sollten einige Punkte beachtet werden. Damit alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sicher ans Ziel kommen seien hier nochmal die wichtigsten Punkte zur Fahrt bei winterlichen Bedingungen in Erinnerung gerufen.

Erhebliche Lawinengefahr

Hier ein vorläufiger Überblick, wie es in den einzelnen Bundesländern aussieht:

Der Warndienst Niederösterreich hat die Lawinengefahr in den gesamten Ybbstaler Alpen und im Rax-Schneeberggebiet über 1.500 Metern auch am Sonntag als groß (Stufe 4 der fünfteiligen Skala) eingeschätzt. In mehreren anderen Gebieten des Bundeslandes herrschte Stufe 3, also erhebliche Gefahr. Am Montag könnte sich die Lage laut Prognose leicht verbessern. Erheblich war das Risiko am Sonntag in den Türnitzer Alpen, im Semmering-Wechsel-Gebiet über 1.400 Metern sowie im Rax-Schneeberggebiet unterhalb von 1.500 Metern. „Mit zunehmender Schneelast können sich große bis eventuell auch sehr große, spontane Lockerschnee- und Schneebrettlawinen lösen“, wurde im Lagebericht mitgeteilt.

Kettenpflicht und gesperrte Straßen

Die angespannte Situation auf Niederösterreichs Fahrbahnen hat sich am Sonntag gebessert. Wegen Lawinengefahr war unter anderem die B71 teilweise gesperrt, auf mehreren Straßen herrschte Kettenpflicht für alle Fahrzeuge. Wegen Lawinengefahr gesperrt war am Sonntagvormittag ÖAMTC-Angaben zufolge die B71 zwischen Neuhaus und Maierhöfen sowie zwischen dem Zellerrain und Grünau. Ebenfalls kein Durchkommen gab es auf der L135 zwischen Hirschwang und Prein an der Rax.

Schneekettenpflicht für alle Fahrzeuge herrschte etwa über den Annaberg auf der B20 und auf der B25 über den Grubberg. Auf der Gemeindealpe bei Mitterbach am Erlaufsee (Bezirk Lilienfeld) wurden am Sonntagvormittag die Gipfelbahn sowie alle Pisten oberhalb von 1.300 Metern gesperrt.

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Um einen Lawinenabgang auf die Tauernautobahn A10 vorzubeugen, hat die ASFINAG am Sonntagvormittag erneut bei Flachau im Pongau eine kontrollierte Sprengung durchgeführt. Die Autobahn wurde deshalb am Sonntag von 8.30 bis etwa 9.30 Uhr in beide Fahrtrichtungen gesperrt.

In Richtung Villach wird der Verkehr bei der Einhausung Flachau angehalten, in Richtung Salzburg bei der Raststation Lungau. Die ASFINAG hat sich dabei mit der örtlichen Lawinenkommission abgesprochen. Bereits am Freitagnachmittag musste ein Teil der Tauernautobahn wegen einer kontrollierten Lawinensprengung gesperrt werden.

Sperren in Oberösterreich

Weiters hat das Winterwetter auch Auswirkungen auf den Straßenverkehr in Oberösterreich. Aufgrund der erhöhten Lawinengefahr bleibt die Pass Gschütt Bundesstraße (B166) in beiden Richtungen zwischen Gosau-Mühle und Gosau laut Gosauer Bürgermeister voraussichtlich bis Montag für den gesamten Fahrzeugverkehr gesperrt.

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Die Gemeinde Gosau ist somit derzeit nur über Salzburg erreichbar. Ebenfalls weiters in beide Fahrtrichtungen gesperrt sind unter anderem laut ÖAMTC-Verkehrsservice der Pyhrnpass (Kirchdorf – Liezen), der Hengstpass (Altenmarkt – Windischgarsten) sowie die Koppental Landesstraße (Obertraun – Bad Aussee). Bei den Straßensperren wird es laut Einschätzung des ÖAMTC am Sonntagvormittag so schnell auch keine Besserungen geben: „Die Straßen werden auf alle Fälle heute, Sonntag, noch gesperrt bleiben.“

Salzburg: Angespannte Lawinensituation

Fast im gesamten Bundesland Salzburg bleibt die Lawinensituation am Sonntag weiterhin angespannt. Es herrscht nach wie vor Lawinenwarnstufe 4. Aufgrund des labilen Schneedeckenaufbaus habe es in den vergangenen Stunden zahlreiche Abgänge von kleinen und mittleren Lawinen gegeben.

Weiterhin Straßensperren

Unvernünftig handelten auch unbekannte Täter, die am Samstagabend die Straßensperre der B99 nach Obertauern aufgebrochen haben. Die Katschberg Bundesstraße ist seit Samstag, 17.00 Uhr, wegen Lawinengefahr gesperrt. Diese und eine Reihe weiterer Straßensperren blieb auch am Sonntag weiter aufrecht. Damit sind nach wie vor die Tourismusregionen Obertauern und Glemmtal nicht erreichbar. Die Gemeinde St. Koloman im Tennengau ließ am Sonntag ihren Rat an die Bewohner, die Häuser aufgrund möglicher Lawinenabgänge nicht zu verlassen, aufrecht. Die Volksschule und der Kindergarten bleiben bis einschließlich Dienstag geschlossen. Dienstagabend wird über das weitere Vorgehen entschieden.

Tirol: Warnung vor Waldspaziergängen

In den Bezirken Kufstein und Kitzbühel sind mehrere Bäume unter der Schneelast umgestürzt. Das Land Tirol warnte darauf Sonntagmittag in einer Presseaussendung vor den Gefahren. „Ich rate der Bevölkerung, dieser Tage auf Waldspaziergänge zu verzichten und generelle Vorsicht im Freien walten zu lassen“, so der Kufsteiner Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer. Mit dem vermehrt feuchten Schnee kann sich die Situation noch weiter verschärfen.

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Neben umstürzenden Bäumen könnten auch abgetrennte Äste, die in der Regel mit der spitzen Bruchstelle voraus fallen, Verletzungen verursachen. Es wird auch davon abgeraten, in dieser Zeit im Wald zu parken oder mit dem Auto zu fahren. Aufgrund umstürzender Bäume kam es auch zu einem Stromausfall im Bereich der Unteren Schranne im Bezirk Kufstein. „Hier ist die Tiwag bereits dabei, die Schäden an der betroffenen Stromleitung zu beheben“, so Platzgummer. In Tirol blieben unter anderem mit der Gerlosstraße und der Tuxer Landesstraße sowie kurzzeitig der Fernpassstraße für den Urlauberverkehr wichtige Straßenverbindungen von Sperren betroffen.

Steiermark: „Kein klares Lagebild“

Die Lawinensituation in der Obersteiermark blieb am Sonntag angespannt: „Wir haben kein klares Lagebild, die Lage bleibt absolut dramatisch“, sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer mittags bei einer Besprechung in der Landeswarnzentrale in Graz. Rund 2.000 Menschen, Einheimische wie Touristen, sind in mehreren Orten abgeschnitten. Vier Hubschrauber warteten auf besseres Wetter zur Lageerkundung. Katastrophenreferent Schickhofer warnte, Sperren von Straßen sowie Lawinenhinweise und das Wetter zu ignorieren.

Im Raum Wildalpen (Bezirk Liezen) hatte eine Gruppe von zwölf Touristen in drei Autos einfach das Sperrgitter zu einem lawinengefährdeten Bereich zur Seite geschoben und hatte versucht, abzureisen. Prompt verschüttete eine Lawine die drei Fahrzeuge, Rettungskräfte bargen die Urlauber unter hohem eigenen Risiko.

Widrige Bedingungen: Die Planai-Classic in Gröbming in der Steiermark verlief am Samstag durch den Schnee. © apa

Aufgrund akuter Lawinengefahr mussten die ÖBB den Zugverkehr zwischen Stainach und Schladming einstellen. Für die Züge des Fernverkehrs wurde in diesem Streckenabschnitt ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Für Reisende im Nahverkehr steht ein Schienenersatzverkehr zwischen Stainach und Öblarn zur Verfügung. Da die Busse des Ersatzverkehrs wegen der Sperre der B320 eine Umleitungsstrecke befahren mussten, war mit einer Verlängerung der Reisezeit zu bis zu 120 Minuten zu rechnen.

2.000 Menschen abgeschnitten

Steiermarkweit waren fast 2.000 Menschen abgeschnitten, nachdem auch die Straße in die Radmer bei Eisenerz mit rund 500 Bewohnern wegen drohender Lawinen gesperrt wurde. Die Versorgung sei jedoch weitgehend sichergestellt. Für die medizinischen Zentren in Mariazell und in Eisenerz sei zusätzliches Personal in Bereitschaft gerufen worden, sagte Schickhofer. Vier Hubschrauber standen in Bereitschaft, zwei Alouette III des Bundesheeres in Aigen im Ennstal sowie zwei Polizei-Helikopter, einer in Graz, einer in Klagenfurt. Die Lawinenwarnstufe blieb am Sonntag auf der zweithöchsten Warnstufe („groß“) in den meisten Teilen der Obersteiermark, in den anderen bergigen Bereichen der Grünen Mark auf drei („erheblich“).

Flugverkehr in Österreich

Kräftiger Nordwind und stellenweise Nebel kamen in Tirol zu den Schneefällen hinzu, weswegen am Samstag der Flughafen Innsbruck lahmgelegt war. Am Sonntag konnte der Flugverkehr unbehindert wieder aufgenommen werden. Derweil ist der Flugverkehr in Österreich nicht von den Winterverhältnissen betroffen. Lediglich ein Streik an den Berliner Flughäfen hat am Montag zwischen Wien und Berlin drei Flüge ausfallen lassen, so ein Sprecher des Flughafens Wiens.

apa/red